Burg Bran - Zu Besuch bei Dracula

Transsylvanien!
Walachei!
Karpaten! ....

Na? Woran denkt Ihr als erstes, wenn Ihr diese Wörter hört? - Genau! Ich auch. Und vermutlich noch viele viele andere Menschen auf diesem Planeten. Unglaublich, dass es ein Mörder und Schlächter aus dem 15. Jahrhundert zu einem derartigen Kultstatus gebracht hat, oder?
Die Rede ist natürlich von Herrn Vlad III. Drăculea, auch bekannt als Vlad Țepeş (was soviel wie "Pfähler" bedeutet) oder ganz schlicht als Graf Dracula.


Ja, es gab ihn wirklich, diesen blutsaugenden Vampir, diesen grausamen Herrscher, diesen Untoten, der sich in eine Fledermaus verwandeln konnte!
Okay,.... es gab ihn. Punkt. Der Rest ist eher der ausufernden Phantasie seiner Zeitgenossen zuzuschreiben. Und natürlich der Filmindustrie. Und nicht zu vergessen: Bram Stoker, der wohl mit seinem Roman diesen ganzen Hype ins Rollen brachte. So. ....habe ich noch jemanden vergessen?

Also nochmal: Es gab ihn wirklich. Vlad wurde um 1431 im rumänischen Sighişoara geboren und starb vermutlich 1476 oder 1477 irgendwo bei Bukarest. Sein Vater Vlad II. Dracul gehörte dem Drachenorden Kaiser Sigismunds an, daher bekam unser Vlad den Beinamen Drăculea, was soviel wie "Sohn des Drachen" oder auch "der kleine Drache" bedeutet. Gerade letzteres verniedlicht dieses Früchtchen jedoch ein wenig zu sehr, denn ich muss bei kleinen Drachen immer an Grisu, der Feuerwehrmann werden will, denken. Oder an Poldi "Uuaaahhh!-Ich-will-dir-fressen" aus der Serie "Hallo Spencer".

Der kleine Vlad hatte jedoch ganz andere Ambitionen. Oder besser gesagt: Er trat das Erbe seines Vaters als Herrscher über die Walachei an und tat, was man da halt so tut. Herrschen und morden. Der Geschichte nach soll er eine absolute Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung gehabt haben, wobei allerdings auch der Form halber mal kurz erwähnt werden sollte, dass er sich diese Praktik bei den Osmanen abgeguckt hatte, mit denen er nicht so dicke war. Anders ausgedrückt: Die Osmanen, allen voran Sultan Mehmed II., wollten seinen Kopf. Und den bekamen sie auch. Der Überlieferung nach sogar in Honig eingelegt, auf einer Stange aufgespießt und zur Schau gestellt. Sein Körper soll angeblich im Kloster von Snagov beigesetzt worden sein. Als man jedoch irgendwann das Grab öffnete.....war es leer.

Bei meinem Rumänien-Trip vor ein paar Jahren war klar, dass ich unbedingt die berühmte Dracula-Burg, die Burg in  Bran, besichtigen musste!  Nun ist es aber so: Man ist sich keinesfalls sicher, ob Vlad überhaupt je dort gewesen ist. Aber wenn er wirklich dort gewohnt hat, muss ich mal sagen, dass er eine ganz schön romantische Ader hatte. Denn diese Burg würde ich eher Dornröschen als Dracula zuordnen.

Die Rumänen hingegen lieben ihren Dracula - denn er bringt ihnen jede Menge Touristen. Und so werden auf dem Marktplatz unterhalb der Burg Dracula-Fanartikel in allen Variationen verkauft: T-Shirts, Pullover, Käppis, Tassen, Schlüsselanhänger, Radkappen (Wirklich!), Gläser, Flaschenöffner, Topflappen, und und und.

Die Burg selber ist sehr sehenswert, egal ob Herr Țepeş nun hier war oder nicht. Wenn er hier war, war er jedenfalls sehr klein, denn die Türen haben allesamt eher Hobbit-Größe. Zudem ist es eng und verschachtelt und unübersichtlich. Mit Geheimgängen und Türmchen und Balkonen und Brunnen und Innenhöfen. Einfach wunderbar! Man kann sich überall frei bewegen und erfährt viel Wissenswertes. Auch auf deutsch.

Die Burg hat ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich: 1377 wurde "Castelul Bran"  (zu deutsch die "Törzburg") als Grenz- und Zollburg auf einem Berg oberhalb des Ortes Bran/Törzburg errichtet. Bis 1427 stand die Stadt unter ungarischer Herrschaft. 1436 wurde die Burg von den Türken belagert. 1498 gelangte sie in den Besitz Kronstadts (heute Brasov) und überstand 1529 eine Belagerung durch walachische Truppen. 1593 wurde der Pulverturm zerstört. 1600 wurde die Burg erneut erfolglos belagert. 1612 wurde sie kampflos an Fürst Gabriel Báthory übergeben, 1660 von General Mikes Mihaly erobert und 1789 durch ein türkisches Heer belagert. Wieder erfolglos.
Danach nahm die Bedeutung der Burg ab. 1920 bekam Königin Maria sie geschenkt und vererbte sie an ihre Tochter Prinzessin Ileana. Nachdem Rumänien nach dem zweiten Weltkrieg kommunistisch war, übernahm der Staat die Törzburg und baute sie zur Touristenattraktion aus. 2006 erfolgte die Rückgabe an die Kinder von Prinzessin Ileana, an die Linie Habsburg-Lothringen. Diese boten das Objekt dem rumänischen Staat für schlappe 80 Millionen US-Dollar zum Kauf an, was der jedoch dankend ablehnte. "Gut", dachte sich Dominic Habsburg, "mache ich halt 'n Museum draus!".  Und das ist es heute noch. Ein Museum, das Objekte und Möbel aus dem Besitz der Familie Habsburg ausstellt und in dem der Geist von Graf Dracula trotzdem allgegenwärtig ist. Irgendwie.

Gerüchten zufolge wird die Burg seit 2014 von einer New Yorker Anwaltskanzlei zum Kauf angeboten. Falls also jemand 95 Millionen Euro übrig hat.....

 

 

 

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