<![CDATA[www.glitzerdings.net Blog Feed]]> https://www.glitzerdings.net/ Sat, 15 Mar 2025 03:26:51 +0100 Jimdo_Feed de-de https://blogs.law.harvard.edu/tech/rss <![CDATA[Buchbesprechung: "Kalt und still - Der erste Fall für Hanna Ahlander" von Viveca Sten]]> https://www.glitzerdings.net/2023/02/19/buchbesprechung-kalt-und-still-der-erste-fall-f%C3%BCr-hanna-ahlander-von-viveca-sten/ https://www.glitzerdings.net/2023/02/19/buchbesprechung-kalt-und-still-der-erste-fall-f%C3%BCr-hanna-ahlander-von-viveca-sten/

Rezensionsexemplar  


Erster Satz:

"Der Schnee bildet eine kompakte Decke, als Sebbe Granlund auf den Personalparkplatz am VM6 einbiegt, dem Sessellift mitten im Skigebiet, wo er als Saisonkraft arbeitet."




Kalt ist es dort oben im Norden Schwedens. Kalt und unwirtlich und vor allem eins: Still. Denn der Schnee schluckt sämtliche Geräusche, hält die Welt ein kleines bisschen an, lässt den ein oder anderen zur Ruhe kommen, innehalten, ausatmen.


Ausatmen, tief durchatmen, die Gedanken in Ordnung bringen - das ist es, was Hanna Ahlander dringend benötigt. Denn bei ihrer Arbeit bei der Stockholmer City-Polizei ist sie geächtet, seitdem sie einen Fall von Gewalt gegen Frauen, der zum Tod führte und bei dem einer ihrer männlichen Kollegen involviert war, nicht auf sich beruhen lassen wollte. Nachgebohrt hat. Keine Ruhe gegeben hat. Mit Gewalt gegen Frauen wird sie in ihrem Job tagtäglich konfrontiert und genau das zermürbt sie mehr und mehr. Nun wird ihr nahegelegt, sich ein anderes Arbeitsumfeld zu suchen. Sie ist raus aus ihrer gewohnten Truppe, man will sie dort nicht mehr, sie wurde zu lästig.


Ihr Freund Christian, der allererste Mann, der in den Augen ihrer Eltern Gnade fand, will sie auch nicht mehr. Er hat eine andere und setzt Hanna vor die Tür. So steht sie also da mit 34 Jahren, ist überall unerwünscht, hat kein Einkommen mehr und kein Dach über dem Kopf. Weil sie sich selbst treu geblieben ist, ihre Werte nicht verraten hat. 


"In ihrer Familie sind die Rollen seit langem festgeschrieben. Lydia ist die Tüchtige und Erfolgreiche, mit der die Eltern vor ihren Freunden in Spanien prahlen. Hanna ist das Nesthäkchen, über das sie lieber schweigen. Sie hat sie immer enttäuscht. Ihren unkonventionellen Lebensstil und später ihre Berufswahl haben ihre Oberschicht-Eltern nur mit viel Rotwein ertragen."


- Zitat Seite 25 -




Als Retterin in der Not erweist sich einmal mehr ihre große Schwester Lydia, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und vor allem eins kann: Probleme angehen und diese schnell und effizient lösen. Sie bringt Hanna kurzerhand in ihrem luxuriösen Ferienhaus in Are am schwedischen Polarkreis unter. Lydias Familie nutzt es gerade nicht und so hat Hanna genug Raum und Zeit, um innerlich zur Ruhe zu kommen und zu überlegen, wie es weitergehen soll.


Die Ruhe der Abgeschiedenheit in Schnee und eisiger Kälte hat jedoch ein jähes Ende, als in dem kleinen Ort die 18-jährige Amanda vermisst wird. Sie kam nach einer Party nicht nach Hause und nun ist Eile vonnöten, denn das Thermometer zeigt minus 20 Grad an. Falls Amanda irgendwo verletzt liegt, wird sie diese Temperaturen nicht lange überleben.


Ehrensache für Hanna, dass sie sich den Suchtrupps anschließt und dabei zwangsläufig auch Kontakte mit der hiesigen Polizei knüpft, die momentan völlig unterbesetzt ist. Amanda wird nicht gefunden, jedoch ihre Kleidung. Komplett und zusammengelegt und genau das lässt Schlimmes befürchten. 


"Er versucht, sich die Szene vorzustellen, begreift widerstrebend, welche Absichten jemand hat, der sein Opfer in einer einsamen Berghütte festhält, wo niemand es finden kann. Oder es schreien hört.

Amanda ist ihrem Peiniger vollkommen ausgeliefert."


- Zitat Seite 151 -




Es beginnt eine fieberhafte Fahndung nach Amanda. Freunde, Lehrer, Nachbarn und Familienmitglieder werden verhört, einige Ungereimtheiten kommen zutage. Es gibt Verdächtige und der Leser beginnt, selber seine Urteile zu fällen. Wem würde man so eine Tat zutrauen? Wer benimmt sich merkwürdig? Wer hätte etwas davon, Amanda zu verschleppen?


Hanna bietet ihre Unterstützung an und wird zum ersten Mal in ihrem Leben freundlich empfangen und ernst genommen. Aufgrund der Personalknappheit steht schon recht bald die Möglichkeit im Raum, zur Polizei von Are versetzt zu werden - ein Lichtblick für Hanna, denn sie fühlt sich sehr wohl dort und wird von Kriminalkommissar Daniel Lindskog auf Augenhöhe wahrgenommen. 

"Tief in den Bergen weiss jeder, wie grausam die Natur sein kann. Grausamer ist nur der Mensch...."


- Zitat Klappentext -




Mit Hanna Ahlander hat die Autorin eine Protagonistin geschaffen, die man einfach mögen muss. Die neben ihrer erfolgreichen Schwester nie bestehen konnte und von den Eltern als "kleiner Unfall" bezeichnet wird. Die trotzdem unbeirrt ihren Weg geht, auch wenn er steinig und unbequem ist.

 

Das Örtchen Are wird als sehr ruhig und beschaulich dargestellt und trotz der Krimihandlung ist "Kalt und still" ein solches Wohlfühlbuch, dass man es in einem Rutsch weglesen will. Angenehm geschrieben mit gut gezeichneten Charakteren und einem konstanten Spannungsbogen.

 

 

 

M E I N    F A Z I T

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Ein absolut gelungener Reihenauftakt, der einen die Kälte und Stille des hohen Nordens geradezu greifen lässt, der einen jedoch auch wohlig umhüllt wie eine Wolldecke. Ein Buch, das den Leser an die Seiten fesselt, mitfiebern und -ermitteln lässt und am Ende den dringenden Wunsch nach mehr, nach dem zweiten Teil aufkommen lässt.


5 von 5 Glitzersternen





INFOS ZUM BUCH

 

TITEL: Kalt und still

UNTERTITEL: Der erste Fall für Hanna Ahlander

AUTORIN: Viveca Sten

VERLAG: dtv

 

ERSCHIENEN am 19.10.2022

REIHE: Teil 1

FORMAT: Paperback

PREIS: 16,95

SEITEN: 512

ISBN: 978-3-423-26338-2

 

AUS DEM SCHWEDISCHEN

von Dagmar Lendt

 

TITEL DER ORIGINALAUSGABE

"Offermakaren" 


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Sun, 19 Feb 2023 12:09:46 +0100
<![CDATA[12 von 12 im Februar 2023]]> https://www.glitzerdings.net/2023/02/12/12-von-12-im-februar-2023/ https://www.glitzerdings.net/2023/02/12/12-von-12-im-februar-2023/

Der ganz normale Alltagswahnsinn in 12 Bildern

Die Harz-Edition

Willkommen zum zweiten 12 von 12 in diesem Jahr - heute aus dem immer noch verschneiten, jedoch mittlerweile tauenden Harz, wo wir dieses Wochenende in/bei/um unseren Wohnwagen verbringen. Beziehungsweise verbracht haben, denn es ist Sonntag und somit Abreisetag. Leider. Die Zeit hier ist immer viel zu kurz. Aber wie heißt es so schön? - Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, wahlweise auch vor dem Wochenendtrip. Hauptsache raus. Und die Zeit dazwischen überbrückt man dann halt mit Arbeit. Nützt ja nix..... 




1. Guten Morgääähn!

Der erste Blick am frühen bzw. auch mal etwas späteren Morgen geht grundsätzlich aus dem Fenster direkt an meinem Bett. Hier oben im Harz hatten wir in den letzten Wochen solche Schneemassen, dass unser Campingplatzbetreiber irgendwann kapitulieren musste. Letztes Wochenende sind wir mit dem Auto noch nicht mal in die Nähe des Wohnwagens gekommen und mussten alles Benötigte zufuß hintragen, wobei wir mehr als einmal im knietiefen Schnee versunken sind. Wintercamping ist sicher nicht jedermanns Sache - wir lieben es. Leider hat gestern Tauwetter eingesetzt, trotzdem wird es wohl etwas dauern, bis diese Massen an Schnee geschmolzen sind.




2. Schneespaziergang

Vor der Abreise gehen wir noch eine Runde spazieren und genießen das hiesige  Winterwonderland. Ich gehe davon aus, dass wir hier heute den letzten Schnee für diesen Winter sehen und freue mich jetzt schon auf den Sommer und das Schwimmen in diesem Badesee, der momentan noch unter einer Eisschicht ruht.




3. Nebelwand

Schon gestern hatten wir sehr starken Nebel und auch heute zieht es sich immer mehr zu, was den Wäldern ein mystisches Aussehen verleiht.




4. Den Wohnwagen frostsicher machen

Während man im Sommer einfach nur alles ausräumen, ausstellen und abschließen muss, ist bei den momentanen Temperaturen besondere Vorsicht geboten. Alles Flüssige muss wieder mit nach Hause, ebenso die Kaffeemaschine. Ein paar Frostnächte können dem Wohnwagen andernfalls erheblich schaden.




5. Das dauert wieder.....

Na klar. Wenn er kein Hund wäre, würde er vermutlich noch demonstrativ ungeduldig mit den Fingern trommeln und dabei die Augen verdrehen.




6. Waschküche

In den höheren Lagen, dort wo unser Campingplatz liegt, hat der Nebel beschlossen, heute mal wieder alles zu geben. 100 Höhenmeter weiter unten hat man zum Glück klare Sicht. Und Schnee gibt's da auch nicht mehr.




7. Home sweet Buchpost

Es ist ja immer wieder schön, nach Hause zu kommen und dort von Buchpost erwartet zu werden. Und heute auch noch von gleich zweimal Buchpost!




8. First things first

Buchpost auspacken muss erstmal verschoben werden, denn Sir Kingston hat sich auf der Heimfahrt genug ausgeruht, uns anschließend beim Auspacken zugesehen und dann beschlossen, dass es Zeit für einen Spaziergang ist. Da machste nix....




9. Jetzt aber!

Tadaa! Meine Buchpost! "Stella" von Takis Würger steht schon ewig auf meiner Wunschliste und nun habe ich eine günstige gebrauchte Hardcover Ausgabe bei einem der üblichen Verdächtigen erstanden.

"Wolfskinder" [Rezensionsexemplar] ist das Thrillerdebüt von Vera Buck und verspricht viel Spannung und Nervenkitzel in einem abgelegenen Dorf hoch oben in den Bergen. Die Leute sagen, dass man nur dorthin kommt, um sich zu verstecken. Aber vor was?....




10. Füße hoch

.....mit Buch und Tee. Es ist zwar erst Nachmittag, aber da es heute mal wieder nicht hell werden will, fühlt es sich an wie abends. Und da kann man dann ja auch gleich die Couch besetzen und bestenfalls nicht mehr allzu oft aufstehen.




11. Fast durch

Dieses Buch [Rezensionsexemplar] erscheint am 20. Februar und ich sage es mal so: Merkt es Euch vor!




12. Und ansonsten....

.....wird das hier heute ein sehr ruhiger Abend im Kreise der Liebsten.

 

Kommt gut in die neue Woche!

 

 

Mehr 12 von 12 gibt's wie immer bei Caro vom Blog Draußen nur Kännchen

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Sun, 12 Feb 2023 08:09:30 +0100
<![CDATA[Januarbücher 2023]]> https://www.glitzerdings.net/2023/02/06/januarb%C3%BCcher-2023/ https://www.glitzerdings.net/2023/02/06/januarb%C3%BCcher-2023/

Eine Zusammenfassung

Acht Bücher. Acht Autorinnen. 3060 Seiten. Der Januar war ein wunderbarer Lesemonat, ein Monat mit vielen Highlights und Überraschungen, ein Monat, in dem ich mich in den Büchern geradezu verlieren konnte, alles um mich herum vergessen habe, mitgefiebert, gelitten, geliebt, gekämpft und gehofft habe. Ich bin zu Mordermittlungen hoch in den Norden an den Polarkreis gereist und war während des Krieges in Russland und in meiner Heimat, dem Paderborner Land. Ich habe an der italienischen Mittelmeerküste am Strand gelegen und war zum Rudern in Kalifornien. Ich habe eine Glaubensgemeinschaft in Minden kennen-, allerdings nicht liebengelernt und habe mich gegen die Männerwelt in Hamburg durchsetzen müssen.


Ich bin durch die Zeit gereist und war 1911 in Deutschland, 1943 in Russland, in den 60ern in Kalifornien. Teilweise ist mir die Hutschnur geplatzt, teilweise hatte ich einen dicken Kloß im Hals, häufig konnte ich zustimmend nicken. 


Acht Bücher haben mir den Januar versüßt. Acht Bücher, die ich Euch hier jeweils kurz vorstelle:




1. Henrike Engel - Die Hafenärztin: Ein Leben für das Recht auf Liebe [Reihe Teil 3]

"Was sollte sie tun? Wie konnte sie Paulina helfen? Die Freundin war erst seit wenigen Tagen verheiratet, sie würde niemals bereits jetzt aus dem Ehegefängnis ausbrechen. Zumal es Franz Hopps gutes Recht war, seine Frau zu schlagen. Das war nicht strafbar, das Recht schützte ihn."



Hamburg 1911: Wir begleiten die Hafenärztin Anne Fitzgerald, die mittlerweile unter ihrem richtigen Namen van der Zwaan praktiziert, durch den Hamburger Hafen, das Gängeviertel und das Chinesenviertel. Kurz: Durch die ärmsten Gegenden, die Hamburg in dieser Zeit zu bieten hatte. Auch im dritten Teil dieser Reihe reibt Anne sich auf, kämpft für die Rechte der Frauen und für deren bessere Lebensumstände. Armut und Elend, Unterdrückung und Gewalt, wohin man auch guckt und als der Mord an einer chinesischen Prostituierten vertuscht werden soll, lässt Anne das nicht auf sich beruhen.


Im reichen Teil der Stadt hat die Pastorentochter Helene Curtius gerade ihr Lehrerinnenseminar beendet. Seit sie Anne kennt und bewundert, kann sie sich ein Leben als Hausfrau und Mutter nicht mehr vorstellen und möchte selber Geld verdienen. Gleichzeitig wartet sie jedoch auch sehnsüchtig auf einen Heiratsantrag des Kommissars Berthold Reyhdt. 


Berthold hingegen lebt nur für seinen Beruf und für den gerade emporkommenden FC St. Pauli. Helene hat ihm jedoch den Kopf verdreht, aber was hat er ihr außer ständige Abwesenheit, sowohl körperlich als auch mental, schon zu bieten?


In diesem dritten Teil hat die Autorin sich noch mal übertroffen und verknüpft geschickt mehrere Handlungsebene miteinander. Ob nun Mord, Korruption, Unterdrückung der Frauen, das Privatleben der Protagonisten, kleine Dramen oder die Zustände auf Hamburgs Straßen - am Ende läuft alles zusammen und es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen.


Hinweis: Da in diesem Teil öfter Bezug auf die vorangegangenen Bände genommen wird, empfehle ich, die Reihe in chronologischer Folge zu lesen.


FAZIT: 4,5 Glitzersterne und eine ganz klare Leseempfehlung




2. Elina Penner - Nachtbeeren

"Mit den Türken sind sind sie sich einig: Egal, was passiert, Hauptsache, die Kinder sind nicht schwul und heiraten keine Kartoffel. Alles andere kriegt man irgendwie hin."



Ich sag' mal: Schwierig! Dieses Buch haben wir in unserem Book Club besprochen und von insgesamt sieben Frauen zwischen 35 und 70 fand es nur die gut, die es vorgeschlagen hatte.


Fakt ist: Hier hält sich der Inhalt nicht so ganz an den Klappentext, was schon mal ein großes Manko ist. Dort wird dem Leser nämlich suggeriert, dass es erstens um Nellis Problem geht, sich als Russlanddeutsche in Minden zwischen zwei Kulturen wiederzufinden und keiner gerecht werden zu können und zweitens um den Tod ihres Mannes. Dass Nelli nicht genau weiß, ob sie ihn umgebracht hat. So weit so gut, dieser Klappentext macht definitiv neugierig.


Tatsächlich liess sich das Buch im ersten Drittel auch noch gut lesen, dann allerdings ging es im Sturzflug bergab. Kennt Ihr das, wenn jemand ein falsches Wort einer bestimmten Gesinnung benutzt und gleich der Shitstorm losgeht und die Rassismus-Karte ausgespielt wird? - Tja, in diesem Buch werden die Deutschen in einer Tour derart bezeichnet und beleidigt, dass das für mich auch ganz klar Rassismus ist. Kartoffel (Jene stammen übrigens aus Südamerika und waren schon weit über die Welt verbreitet, bevor sie überhaupt nach Deutschland kamen, werte Autorin!), Ferkelgesichter (weil angeblich keine Wangenknochen), hiesige Bratzen....wirklich charmant. Man könnte zu der Überzeugung kommen, dass die Autorin ein kleines Problem mit meinen Landsleuten hat. Der christliche Glauben wird natürlich ins Lächerliche gezogen (Die Bratzen schminken sich für die Kirche!), der mennonitische hingegen auf ein Podest gestellt.


Was den Spagat zwischen den Kulturen angeht: Der ist nicht vorhanden, denn Nelli lebt in ihrer Bubble zwischen ihresgleichen. Der Tod des Mannes? - Der Leser erfährt nie, was wirklich passiert ist, außer, dass der Gatte plötzlich in Toppits Gefrierbeuteln verpackt in der Tiefkühltruhe ruht.


Ach ja, den Quoten-Schwulen gibt es selbstverständlich auch noch, obwohl der so lieblos und gerade eben noch hineingequetscht dargestellt wird, dass man sich das Ganze auch hätte schenken können.


Am Ende gibt es noch einen kleinen Aha-Effekt, der einige Handlungen in einem anderen Licht erscheinen lässt, trotzdem reißt es das für mich dann auch nicht mehr raus. Dazu kommt, dass die ganze Geschichte in einer doch sehr einfachen Sprache verfasst wurde und man schön formulierte Sätze vergeblich sucht. 


FAZIT: 2 Glitzersterne, aber nur mit ganz viel Wohlwollen und garantiert ohne Leseempfehlung





3. Ruta Sepetys - Und in mir der unbesiegbare Sommer

"Meine Kunstlehrerin hatte einmal gesagt, man müsse tief Luft holen und sich einen Ort vorstellen, und im nächsten Moment sei man dort, könne ihn sehen und spüren. Genau das tat ich, wenn wir schweigend im NKWD-Büro saßen. Ich klammerte mich an meine Träume. Mit der Mündung der Waffe vor der Nase schwelgte ich in Hoffnungen und gab mich meinen tiefsten Sehnsüchten hin. Komorow glaubte, er würde uns foltern. Doch wir flohen in eine innere Stille. Dort fanden wir Kraft."



Um ein schreckliches Kapitel in der Geschichte der Menschheit geht es hier, eins, das leider meistens entweder totgeschwiegen wurde oder untergegangen ist. Denn zumindest ich hatte kaum Kenntnis davon, dass Stalin während des zweiten Weltkrieges das komplette Baltikum "säubern" ließ, Esten, Letten und Litauer deportieren ließ und deren Heimatländer für viele Jahre von der Landkarte verschwanden. Diese Menschen hatten sich nichts zuschulde kommen lassen - sie hatten nur die falsche Staatsangehörigkeit und bezahlten dafür häufig mit einem grausamen Tod.


Hunger, Angst, Verzweiflung, Krankheit und immerwährende Kälte begleiten uns auf einer fiktiven Reise. Zunächst in ein Arbeitslager im Altay-Gebirge, dann hoch in den unwirtlichen Norden Sibiriens, in dem selbst die Lageraufseher strafversetzt sind. 


Diese Geschichte ist fiktiv, aber sie wird so und auch noch viel schlimmer sicherlich tausendfach passiert sein. Die Autorin hat selbst litauische Wurzeln und erzählt diesen Roman so bildlich und eingängig, dass man das immerwährende Grauen dieser Zeit geradezu greifen kann.


FAZIT: 5 Glitzersterne. Grausam und unglaublich gut. Man sollte es lesen, um niemals zu vergessen.




4. Viveca Sten - Kalt und still: Der erste Fall für Hanna Ahlander

"Hanna, die sie ihren "kleinen Fehlschlag" nennen, hat nie etwas richtig machen können. Sie konnte Christian nicht halten und sie kann sich mit vierunddreißig keine eigene Wohnung leisten."



Hanna wurde von ihrem Freund verlassen und aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen. Ihr Arbeitgeber, die Stockholmer Polizei, hat ihr nahegelegt, sich einen neuen Job zu suchen, da Hanna dort unerwünscht ist, seitdem sie es nicht auf sich beruhen lassen wollte, dass einer ihrer Kollegen seine Frau zu Tode geprügelt hat. Gewalt gegen Frauen erlebt sie täglich in ihrem Beruf und gerade das triggert sie mehr und mehr.

 

Als Retterin in der Not erweist sich ihre große Schwester, die ihr anbietet, ihr Ferienhaus hoch oben im Norden Schwedens, in Are, zu nutzen, um etwas abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. 

 

Kaum dort angekommen findet Hanna sich jedoch mitten in der Vermisstensuche nach einem 20jährigen Mädchen wieder, das nach einer Party nicht nach Hause kam. Bei minus 20 Grad ist Eile geboten, doch alle Hoffnung wird zunichte gemacht, als das Mädchen erfroren und unter mysteriösen Umständen aufgefunden wird.

 

Hanna knüpft Kontakte zur dortigen Polizei und wird zum ersten Mal in ihrem Leben respektvoll behandelt und ernst genommen. 

 

"Kalt und still" ist einer jener Krimis, die zwar gemütlich daher kommen, es aber faustdick hinter den Ohren haben. Die so eingängig und spannend geschrieben sind, dass man nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann. Die mehrere Handlungsebenen geschickt zu einem großen Ganzen zusammen fügen und auf dem Weg dorthin einige falsche Fährten legen.

 

FAZIT: 5 Glitzersterne und eine absolute Leseempfehlung. Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Teil.

 

Meine komplette Besprechung zu "Kalt und still" könnt Ihr HIER lesen.

 

 

 

5. Bonnie Garmus - Eine Frage der Chemie

"Beinahe-Psychologin?"

"Halten Sie den Mund."

"Nein, wirklich", sagte Elizabeth. "Beinahe?"

"Ich hatte keine Möglichkeit, den Abschluss zu machen, okay? Was ist mit Ihnen? Wieso sind Sie nicht promoviert, Zott?", schoss Frask zurück.

Elizabeth versteinerte, und ohne es zu wollen, gab sie etwas von sich preis, das sie bislang nur einem Polizisten erzählt hatte. 

"Weil ich von meinem akademischen Betreuer vergewaltigt und anschließend aus dem Promotionsprogramm geschmissen wurde", schrie sie. "Und Sie?"

Frask sah sie schockiert an. "Ich auch", sagte sie matt.



Alle lieben dieses Buch - wir auch! Zusammen mit meinen Buddyread-Mädels Ann-Kathrin und Sarah habe ich mit großem Vergnügen die Geschichte von Elizabeth Zott gelesen und viele ellenlange WhatsApp Sprachnachrichten darüber ausgetauscht.


Elizabeth scheint ihrer Zeit voraus und ist völlig fehl am Platz und in den strengen Konventionen der 60er Jahre, in denen von Frauen Sittsamkeit, ein hübsches Aussehen, Gehorsam und bloß keine eigene Meinung erwartet wurde. Frauen hatten sich nötigen, begrabschen und vergewaltigen zu lassen und keinen interessierte es, denn sie waren es ja selbst schuld. Frauen hatten ihren Männern wie ein abgerichteter Hund zu gehorchen, denn die Männer wussten schließlich alles und hatten die Macht. 


Und dann kommt Elizabeth daher und will Chemikerin werden. Und wird es schließlich auch. Zeigt dabei so viel Klugheit, dass ihre Forschungsergebnisse sehr viel Beachtung bekommen - auch wenn niemand auf die Idee kommt, dass sie von einer Frau stammen. Elizabeth ist es egal, was die Menschen um sie herum über sie denken, sie hat ihre eigene Meinung und steht trotz aller Konsequenzen dazu. In wilder Ehe leben - ein Skandal! Kümmert Elizabeth nicht. Ein uneheliches Kind zur Welt bringen - undenkbar! Ist Elizabeth egal. Öffentlich zu erklären, nicht an Gott zu glauben - dafür wird sie in der Hölle schmoren. Elizabeth hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig.


Diese Frau hat mehr Eier als alle männlichen Protagonisten des Romans zusammen, geht ihren Weg, obwohl er übersät mit Felsbrocken ist und steht hinter ihrer Meinung. Und obwohl diese Geschichte in den 60ern spielt, ist sie trotzdem aktuell. Wären mehr Frauen wie Elizabeth, wäre diese Welt eine bessere. 


P. S. Ganz ganz große Liebe übrigens für Halbsieben, den ungewöhnlichsten Hund, der mir jemals in Büchern begegnet ist. 


FAZIT: 5 Glitzersterne. Unbedingt lesen!




6. Franziska Elea - Was du nicht siehst: Diagnose Borderline - zwischen Todesangst und Lebenstraum

"Wieder einmal hatte ich erfahren, dass das, was ich fühlte und wahrnahm, falsch war. Dass ich ungezogen war, Probleme machte und mit mir etwas nicht stimmte."



Franziska "kenne" ich über ihren Instagram Account, auf dem sie sehr offen mit ihrer Borderline Erkrankung umgeht und man ihr Wechselbad der Gefühle häufig mitbekommt. Was genau dahinter steckt und wie es dazu kam, erzählt sie in diesem Buch, in dem ich leider auch Parallelen zu meiner eigenen Kindheit und Jugend gefunden habe und daher das Fühlen und Denken der Autorin nur allzu gut nachvollziehen kann.


Manche Menschen sollten einfach besser keine Kinder in die Welt setzen, denn wenn diese dann vernachlässigt werden, abgeschoben, nicht ernst genommen, ständig runtergemacht oder geschlagen werden, dann geht das an den wenigsten spurlos vorbei. Manche ziehen sich weitestgehend zurück und leben ihr eigenes Leben, manche kommen allerdings mit der Gesamtsituation überhaupt nicht klar, rebellieren, geraten auf die schiefe Bahn und brauchen schon in jungen Jahren psychologische Unterstützung. So wie Franziska, die eine ziemliche Odyssee in letzter Hinsicht mitmachte.


Ein anderes Thema in diesem Buch ist aus gegebenem Anlass daher auch das Versagen der deutschen Bürokratie, der Ämter und des Gesundheitssystems, wenn es um psychisch erkrankte Menschen geht. Unglaublich, was man sich da gefallen lassen muss. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in unserem Land, in dem die Anzahl psychisch erkrankter Menschen stetig zunimmt!


FAZIT: 3 Glitzersterne. Ein sehr spezielles Thema, aber wenn man sich dafür interessiert, ist das Buch durchaus zu empfehlen.




7. Daniela Ohms - Winterhonig

"Mathilda war die Tochter eines Bauern, die für den Rest des Krieges eine männliche Arbeitskraft ersetzen musste. Und er selbst war Soldat in diesem Krieg, nicht mehr als Kanonenfutter, das auf den nächsten Fronteinsatz wartete. Die Zeiten, in denen er von einer Zukunft träumen durfte, waren vorbei. Schon lange."



Romane, deren Handlung im Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist, haben mich schon immer fasziniert. Dieser hat mich zusätzlich gereizt, da er in meiner Heimat, dem Paderborner Land spielt. Dass ich mit "Winterhonig" allerdings einen der besten historischen Romane, die ich jemals gelesen habe, in den Händen halten würde, damit hatte ich nicht gerechnet.


Die verbotene Liebesgeschichte um Mathilda, die Jüngste von zehn Geschwistern eines Bauernhofes, und Karl, den Knecht des benachbarten Gestüts, der ein Geheimnis hat, das alle das Leben kosten könnte, zieht den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann. 


Als dann der Krieg kommt und Karl mit seinem geliebten Pferd Selma an die Front zieht, erst nach Frankreich, dann nach Russland, ist das Grauen jener Tage, das Hoffen und Bangen, die Verzweiflung, die Angst, die Schmerzen und die Kälte so bildlich beschrieben, dass diese Gefühle für den Leser geradezu greifbar sind.


Geschickt verwebt die Autorin historisch belegte Fakten und Figuren mit fiktionalen, hält den Spannungsbogen konstant aufrecht und lässt den Leser damit nahezu an den Seiten kleben. 


FAZIT: 5 Glitzersterne mit Sahnehaube. Ein großartiges Buch und eine absolute Leseempfehlung!




8. Elena Ferrante - Frau im Dunkeln

"Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen."



Leda ist 48 und will - grob zusammengefasst - einfach nur ihre Ruhe. Dass ihre Töchter zum Ex-Mann nach Kanada gezogen sind, empfindet sie geradezu als Erleichterung und so mietet sie sich in einer beschwingten Laune für sechs Wochen eine Ferienwohnung an der italienischen Küste.


Jeden Tag liegt sie am Strand, geht aber schon bald dazu über, eine neapolitanische Großfamilie zu beobachten. Und hört nicht mehr auf damit. Und fängt an, diese Menschen zu be- und verurteilen. Und macht sich damit bei mir immer unsympathischer.


Diese Familie und vor allem zwei der Familienmitglieder werden für Leda fast schon zur Besessenheit und irgendwann tut sie etwas, das sie selbst nicht versteht (ich auch nicht), das ihr allerdings am Ende noch böse auf die Füße fallen wird.


Was die Autorin mir eigentlich sagen wollte, weiß ich nicht. Dass Mütter teilweise komplett überfordert sind, klar. Aber dazu passt die Absurdität von Ledas Handeln nicht so ganz. 


Die Geschichte ließ sich allerdings sehr gut lesen und man wollte dann ja schon auch wissen, wie sie endet.


FAZIT: 3 Glitzersterne. Mit einer Leseempfehlung halte ich mich allerdings lieber zurück.




Was habt Ihr im Januar gelesen? War das ein oder andere Highlight dabei?

 

 

 

 

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Mon, 06 Feb 2023 14:25:00 +0100
<![CDATA[Galgo Espanol - Spaniens vergessene Hunde]]> https://www.glitzerdings.net/2023/02/01/galgo-espanol-spaniens-vergessene-hunde/ https://www.glitzerdings.net/2023/02/01/galgo-espanol-spaniens-vergessene-hunde/

Wie kommt es, dass zeitgleich in Berlin, München, Hamburg, Köln, Zürich und Saarbrücken tausende schlanke und langbeinige Hunde mit ihren Besitzern in einem friedlichen Protestmarsch durch die Straßen ziehen? - Das haben sich wohl so einige Passanten gefragt, als eine nicht enden wollende Gruppe aus Menschen und Hunden am Samstag an ihnen vorbei lief. Die Hunde, die gegen die Kälte in teils sehr stylische Mäntelchen gekleidet waren, zauberten den Leuten ein Lächeln ins Gesicht und etliche blieben am Straßenrand stehen, um diesen doch recht ungewöhnlichen Umzug zu filmen oder zu fotografieren. Wenn sie jedoch die Texte auf den Plakaten lasen, verschwand das Lächeln. Etwa 50.000 brutal getötete Hunde jährlich? Ausgeschlossen vom Tierschutzgesetz? Als seelenloser Gegenstand deklariert? Und das in einem Land der EU? Das kann doch nicht sein, oder? Oder!?!?

 

 

Leider doch. Leider ist das die bittere Wahrheit. Der Galgo Espanol ist die durch den Menschen am meisten ausgebeutete und misshandelte Hunderasse weltweit und steht daher stellvertretend für sämtliche Jagdhunde Spaniens, die in diesem Land verloren und vergessen sind. Als einziges Land in der EU ist dort die Hetzjagd mit Hunden noch erlaubt und diese hat eine lange Tradition: War es früher nur den Adligen erlaubt, diese elegante Hunderasse zu halten, die es seit Hunderten von Jahren in dieser Form gibt, hielten nach und nach immer mehr "einfache Leute" ebenfalls Galgos. Diese Galgos wurden allerdings noch wertgeschätzt, da sie zur Nahrungsbeschaffung beitrugen. Galgos sind unheimlich schnelle und wendige Jäger, können als Kurzstreckensprinter 70 Stundenkilometer erreichen und Haken schlagen wie ein Hase. Dass sie dadurch sehr erfolgreiche Jäger sind, dürfte also klar sein.


In der heutigen Zeit beschafft man sich sein Fleisch dann allerdings doch lieber im Supermarkt und braucht dafür keine Galgos mehr. Da die Hetzjagd auf Hasen aber nunmal eine lange Tradition hat, führt man sie trotzdem fort. Und nun geht es um Ruhm und Ehre. Und natürlich um Geld. Und genau da beginnt das unglaubliche Leid der Galgos.



Die Galgueros, wie die spanischen Jäger genannt werden, halten oft zwanzig bis dreißig Hunde im Zwinger und vermehren diese ohne Sinn und Verstand, immer in der Hoffnung, den einen Hund zu kriegen, der, der den größten Wettbewerb, der im Namen des spanischen Königs ausgetragen wird, gewinnt.


Die Galgos werden meistens schlecht gehalten, fristen ihr Dasein in dunklen Verschlägen und kommen nur zum Training raus. Bei diesem "Training" würden deutsche Ämter sofort Alarm schlagen und der Besitzer der Hunde sich vor Gericht wiederfinden, in Spanien juckt es jedoch keinen, dass zehn oder mehr Galgos hinter ein Motorrad oder Auto gebunden werden und mitrennen müssen. Stürzen sie oder schaffen es kräftemäßig nicht, werden sie mitgeschleift und irgendwann am Straßenrand zum Sterben liegen gelassen. Den Galgueros interessiert das nicht weiter, der hat ja noch etliche andere Hunde. 



Schlecht trainiert und schlecht gefüttert müssen die Galgos dann also bei diversen Wettkämpfen während der Jagdsaison von Oktober bis Februar antreten. Und da beginnt das Aussortieren. Ist ein Galgo zu langsam, wird er aussortiert. Ist er zu zögerlich, wird er aussortiert. Ist er zu schlau, wird er aussortiert. Ist er zu alt, was meistens mit drei Jahren der Fall ist, wird er aussortiert. Schneidet er dem Hasen den Weg ab, gilt er als "dreckig" und hat seinen letzten Wettkampf bestritten. Die Spanier wollen eine saubere Hatz, in der der Hund dem Hasen in der genauen Laufspur des Hasen folgt. Ein "dreckiger" Galgo bringt seinem Herrn große Schande.



Wohin nun aber mit den ganzen aussortieren Hunden? - Die, die großes Glück haben, landen in Tötungsstationen und werden dort vom Tierschutz freigekauft, so wie unsere Lima damals. Etwa 50.000 Galgos pro Jahr werden jedoch auf brutale Art und Weise getötet und die kranke Fantasie der Galgueros kennt dabei offenbar keine Grenzen. Ob nun mit gebrochenen Beinen im Niemandsland ausgesetzt, irgendwo zum Verhungern festgebunden, in Brunnenschächte geworfen, erschlagen, erschossen, mit Säure übergossen, ertränkt.....es gibt nichts, was es nicht gibt. Ganz schlimm trifft es die sogenannten "Klavierspieler", jene Galgos, die ihrem Herrn Schande bereitet haben und zur Strafe an einem Baum aufgehängt werden. Jedoch nur so hoch, dass die Hinterpfoten so eben noch den Boden berühren und der Hund beginnt, verzweifelt hin und her zu tänzeln wie die Hände eines Klavierspielers auf der Tastatur. Ein Todeskampf, der Stunden dauern kann und an Grausamkeit nicht zu überbieten ist.



Im Jahr 2022 wurde in Spanien ein neues Tierschutzgesetz auf den Weg gebracht, das Haustiere endlich als fühlende Wesen anerkennt und unter Schutz stellt. Leider wurde Ende des Jahres einem Antrag stattgegeben, Jagd- und Gebrauchshunde von diesem Gesetz auszuschließen. Das heißt im Klartext: Ein Hund, der im Haus lebt und als Familienmitglied angesehen wird, ist vor dem Gesetz ein Wesen mit Seele und somit geschützt. Ein Hund, der sein Dasein im Zwinger fristet und zur Jagd eingesetzt wird, ist vor dem Gesetz ein seelenloser Gebrauchsgegenstand und wird somit nicht geschützt.



Heute, am 01. Februar ist World Galgo Day, denn heute endet in Spanien die Jagdsaison. Die meisten Galgos sind nun bis Oktober unnütze Fresser und werden entsorgt. Die Tierheime platzen aus allen Nähten, die Tierschutzorganisationen kämpfen gegen Windmühlen und lassen doch keinen Hund im Stich, den sie früh genug finden und von der Straße holen oder anderweitig befreien können. Meine absolute Hochachtung für diese Menschen!


Eine gute Nachricht ist, dass in Spanien bei den jüngeren Generationen ein Umdenken stattfindet, dass es auch in Spanien selber am Wochenende etliche Protestmärsche gab, dass Tierschutzorganisationen mit den Galgos mittlerweile in Schulen gehen, um die Kinder für dieses Thema zu sensibilisieren. 


Galgos sind unglaublich sensible, höfliche und unaufdringliche Hunde. Sie binden sich sehr an ihre Menschen und begleiten diese begeistert überall hin. Man sagt immer, dass sie die Katzen unter den Hunden sind, denn im Haus bemerkt man sie gar nicht. Gib einem Galgo ein warmes und weiches Plätzchen auf der Couch und er ist glücklich. Sie haaren kaum und stinken nicht, da sie keine Unterwolle haben. Dadurch müssen sie im Winter allerdings einen Mantel tragen, denn natürlich frieren sie sonst. Galgos halten Bellen für die reinste Energieverschwendung und eignen sich absolut nicht als Wachhunde. Sie sind friedfertig und gehen jedem Ärger aus dem Weg, weshalb es bei Galgomärschen auch nie Rangeleien zwischen den Hunden gibt. Oder, wie ein begleitender Polizist anmerkte "Ach, wenn doch nur alle Demonstranten so gute Manieren hätten!". 


Natürlich darf man aber nicht vergessen, dass diese Hunde die Möglichkeit haben müssen, zwischendurch richtig rennen zu können und dass sie unter Umständen einen so ausgeprägten Hetztrieb haben, dass man sie niemals ableinen können wird. 


Viele der Galgos haben Schlimmes erlebt und sind traumatisiert. Hier ist Geduld gefragt. Geduld und viel Liebe und Verständnis und irgendwann wird der Hund sich öffnen. 





Unsere Lima war unser erster Galgo und hat uns für das Wesen dieser Rasse begeistert. Wir hatten achteinhalb wunderschöne Jahre mit ihr und es war klar, dass wir irgendwann wieder einen Galgo aus dem Tierschutz adoptieren würden. Im August zog Kingston bei uns ein, den Ihr auf dem Titelbild seht. Ein Galgo zum Verlieben.


Wenn Ihr also mit dem Gedanken spielt, einem Hund ein Zuhause zu geben, warum nicht mal über einen Galgo nachdenken?





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Wed, 01 Feb 2023 09:21:46 +0100
<![CDATA[12 von 12 im Januar 2023]]> https://www.glitzerdings.net/2023/01/12/12-von-12-im-januar-2023/ https://www.glitzerdings.net/2023/01/12/12-von-12-im-januar-2023/

Der ganz normale Alltagswahnsinn in 12 Bildern

Lange ist es her, seitdem ich zum letzten Mal bei 12 von 12 mitgemacht habe. 2022 kam mir einfach das Leben dazwischen, leider nicht auf positive Art und Weise.


Nun haben sich die Wogen etwas geglättet und wir sind gut ins neue Jahr gestartet. Bis jetzt gibt es an 2023 nichts auszusetzen und das kann auch gerne so bleiben. 


Dann wollen wir mal.... 




1. Der frühe Vogel....

.....kann mich mal! Wir haben Donnerstag, den 12. Januar 2023. Draußen sind 7 Grad, im Bad 16 (Wir müssen Energie sparen, Leute!) und die absolut unmenschliche Uhrzeit könnt Ihr selber sehen. Frühschichtblock. Ab heute. Die Freude könnte nicht größer sein.

 

 

 

2. Hähhhh?!?

Gegen viertel vor fünf bin ich dann soweit wach, dass ich mich immerhin komplett fertig gemacht habe und in der Küche einen völlig verpeilten Kingston antreffe. Er ist der erste unserer Hunde, der es vorzieht, anstatt bei uns im Schlafzimmer allein in der Küche zu schlafen und kriegt morgens kaum die Augen auf, wenn man ihn weckt. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich nachts heimlich rausschleicht und feiern geht.




3. Abfahrt

Ungemütlich. Einfach ungemütlich! Aber nützt ja nichts. 05.11 h, was bedeutet, dass ich über eine Stunde brauche, um abmarschbereit zu sein. Eine halbe Stunde davon läuft grundsätzlich in Zeitlupe ab, denn 04.00 h morgens und ich - das hat noch nie funktioniert.


Wie unser Lieblingsnachbar es schafft, um 05.00 h aufzustehen und um 05.10 h das Haus zu verlassen, ist mir nach vor ein absolutes Rätsel. 


Oh, und die Meldung "Motorsystem will Wartung" - einfach ignorieren! Die gibt selbst Monteuren Rätsel auf. Aber das Auto hat halt schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel und entwickelt leichte Eigenarten. So lange es jedoch läuft, kann ich damit gut leben. 




4. Coffee, please!

Erste Amtshandlung bei der Arbeit: Kaffee kochen. Viel Kaffee! Und dann das Chaos beseitigen, das der neue Kollege angerichtet hat. Tja, die Personalnot hat auch uns erreicht und man muss mittlerweile nehmen, was man kriegen kann. Und das ist nicht immer erfreulich.




5. Raus in die Natur

Der Göttergatte hat heute beschlossen, etwas früher Feierabend zu machen, so dass wir noch bei Tageslicht zusammen eine Runde durch unseren Lieblingswald spazieren gehen können.




6. You'll never see me agaiiiiin....

Auf der Runde durch den Wald kommen wir auch an einer großen Wiese vorbei und da kann der Kingston natürlich nicht anders, als das zu tun, was Windhunden nunmal im Blut liegt: Rennen. Aber er kommt natürlich immer wieder. Und dass es zeitweise so aussieht, als wäre da ein Känguruh auf der Wiese - das liegt immer im Auge des Betrachters.




7. Der Endgegner

Regen! Örks! Hund will nach Hause. Ist eh kaputt vom Laufen.




8. Hyggetime

Rein zufällig sind wir auf dem Rückweg vom Wald am Donut Shop vorbei gekommen. Der Rest ist Geschichte. Nun gibt's erstmal Zucker, Koffein und jede Menge Buchstaben. Nur leider bin ich nicht allzu begeistert von "Nachtbeeren". Die Protagonistin, eine Deutschrussin, ist permanent unzufrieden, beleidigt und degradiert die Deutschen und fühlt sich mit ihrem mennonitischen Glauben scheinbar überlegen. Zudem ist das Buch nicht schön geschrieben sondern extrem einfach in der Sprache. Gut formulierte und herausstechende Sätze sucht man leider  vergeblich. Wir besprechen "Nachtbeeren" morgen bei unserem Book Club Treffen und ich bin gespannt, was die anderen Damen von diesem Roman halten.

 

 

 

9. Trockenübung

Meine liebste In-Sichtweite-Nachbarin und Neu-Autorin Kate hat bei sich ausgemistet und mir ein paar Champagnerkelche vermacht, die ich schnell noch abhole. Tatsächlich war ich länger auf der Suche nach solchen Gläsern, habe aber nichts Passendes gefunden. Und wie der Zufall es will, haben wir sogar noch eine Flasche Champagner im Kühlschrank.




10. Jedes Böhnchen....

.....gibt hoffentlich kein Tönchen. Ich muss gestehen, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, wie man Bohnen richtig zubereitet. Da sie aber langsam mal weg müssen, werden sie heute erst blanchiert und dann in die Pfanne gehauen. Passt schon.




11. Küchenjunge

Im Weg herumstehen ist eine von Kingstons Königsdisziplinen. Vor allem dann, wenn ich koche. Da könnte ja was Essbares runterfallen....




12. 'N Guten!

It's all veggie. Auch die Würschtl. Und hat sogar geschmeckt. In diesem Sinne: Ich mache dann jetzt mal den letzten Verdauungsspaziergang des Tages mit dem Hundetier und wünsche anschließend eine gute Nacht. Morgen fängt der Tag wieder um vier an, welche Freude.

 

 

 

Mehr 12 von 12 findet Ihr wie immer bei Caro vom Blog Draußen nur Kännchen

 

 

 

 

 

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Thu, 12 Jan 2023 06:00:23 +0100
<![CDATA[Liebes Jahr 2023....]]> https://www.glitzerdings.net/2023/01/03/liebes-jahr-2023/ https://www.glitzerdings.net/2023/01/03/liebes-jahr-2023/

.....nun bist du also schon drei Tage hier und hast dich bisher nur von deiner besten Seite gezeigt. Wir haben in dich hinein geurlaubt, könnte es besser sein? Deinen ersten Tag haben wir mit einem langen Waldspaziergang begonnen und es uns anschließend bei einem leckeren Frühstück gut gehen lassen.

 

Ja, der Start war perfekt und die Hoffnung keimt auf, dass 2023 so viel besser wird als 2022. 2022, das uns völlig aus der Bahn geworfen hat. 2022 das uns ausgelaugt, in die Knie gezwungen und krank gemacht hat. Der Urlaub zum Ende des Jahres, einfach weg, keine Weihnachtsbesuche sondern stattdessen Ruhe und Natur, war bitter nötig und hat uns unglaublich gut getan. So sollte wirklich jedes Jahr starten bzw. enden. 

 

2022 fing schon schlecht an - ich habe hineingearbeitet, wurde dann in den ersten Tagen richtig krank, Lima ging es zusehends schlechter, in der Ukraine brach Krieg aus, hierzulande wurde plötzlich alles teurer, Sorgen und Existenzängste ließen einen kaum noch ruhig schlafen.

 

Im April mussten wir unsere Lima erlösen. Der kleine Spike folgte ihr im September. Die Trauer, die uns fest im Klammergriff hatte, ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Es ist immer noch schlimm und die Tränen fließen nach wie vor. Trotzdem blickt man mittlerweile mit sehr viel Dankbarkeit auf die vielen Jahre zurück, an denen die beiden an unserer Seite waren, erinnert sich an lustige Situationen und empfindet einen gewissen Trost, dass wir gerade Lima, die in ihre ersten Lebensjahren in Spanien Schlimmes erlebt hatte, so ein schönes Leben bereiten konnten. Dass wir aus einer völlig verängstigten Hündin einen fröhlichen Kasper gemacht haben. 


Trauer und Sorgen machen einen fertig und so stand es auch gerade mit meiner Gesundheit 2022 nicht zum Besten. Ich war häufig krank geschrieben und völlig antriebslos. Schmerzgeplagt und einfach müde. Ach, und Corona hat mich dann nach zweieinhalb Jahren im Juli schlussendlich auch noch erwischt, obwohl ich bis heute nicht weiß, wo ich mich angesteckt haben könnte. 


Der Krieg in der Ukraine ging weiter und das tägliche Leben wurde teurer und teurer. Sprit lag bei über zwei Euro, der wöchentliche Lebensmitteleinkauf lag plötzlich auch weit über dem normalen Durchschnittspreis, der Gasabschlag verdreifachte sich. Insofern hat wohl 2022 sehr viele Menschen in die Knie gezwungen. Wir mussten handeln und einige Preistreiber abstoßen - auch unseren geliebten Offroader, unseren Toyota Hilux, mit dem wir so viele atemberaubende Dachzelturlaube gemacht haben, so viele schöne Erinnerungen gesammelt haben. Erinnerungen, bei denen Spike und Lima immer dabei waren. Eine reine Vernunftentscheidung, trotzdem haben wir beide geweint, als er verkauft war. 

2022 war hart. Definitiv. Das Jahr hat uns viel genommen, aber es hat uns auch viel gegeben. Zum Beispiel Kingston. Kingston zog bei uns ein, als wir uns immer mehr Sorgen um Spike machten, der sehr unter Limas Verlust litt. Leider hatten die beiden dann nur noch fünf Wochen gemeinsam, aber im Endeffekt kann ich sagen, dass Kingston unsere Rettung war. Ohne ihn wäre ich wohl kaum noch aufgestanden.


Er kommt wie Lima aus Spanien, ist aber ein gänzlich anderer Charakter. Fröhlich und verschmust und freut sich über alles und jeden. Ein Herz von einem Hund und so unglaublich wichtig für uns. 

Mit dem Verkauf des Toyota und dank der horrenden Spritpreise begann für uns ein neues Kapitel in Sachen "Camping": Unser großer Wohnwagen, den wir eigentlich viel zu wenig genutzt haben, zog um auf einen festen Stellplatz im Harz. Seit Mai sind wir also Dauercamper und genießen es, mindestens einmal pro Monat inmitten der Natur die Seele baumeln zu lassen. 

Natürlich wollen wir jetzt nicht NUR noch in den Harz reisen - für die benötigte Mobilität haben wir uns im Sommer einen uralten DDR Wohnwagen, einen Qek, gekauft, der nun über den Winter renoviert wird.


So fügt sich also langsam alles und es kehrt in Sachen Sorgen, Gesundheit und Verluste hoffentlich 2023 endlich Ruhe ein. Ich finde, wir haben genug durchmachen müssen. 




Kleine Vorschau auf 2023

Kreuzigt und steinigt mich, aber zumindest der Sommer war 2022 genial. Ganz schlimm und viel zu trocken für die Natur, ich weiß, und besorgniserregend im Allgemeinen. Aber zum Leben einfach genial. Daher wünsche ich mir für 2023 ähnliches. Einfach die Möglichkeit, viel draußen zu sein, an lauen Abenden noch lange im Garten zu sitzen.

 

2022 war Premiere und auch 2023 werde ich wieder viel eigenes Obst und Gemüse anbauen. Wir haben noch nie so viele Zucchini gegessen wie letztes Jahr und ich liebe sie nach wie vor. Gärtnern in Hochbeeten ist letztes Jahr ein neues Hobby von mir geworden und ich freue mich schon auf die kommende Saison. 

 

Was das Reisen angeht, haben wir grobe Terminpläne und Ziele. Ein Roadtrip durch die Niederlande würde mir gefallen oder einer durch die Bretagne, auf Korsika waren wir schon viel zu lange nicht mehr und die Westalpen haben uns so gut gefallen, dass wir unbedingt nochmal hin möchten. Sankt Peter-Ording und Hamburg wäre auch mal wieder einen Abstecher wert, mit der Böhmischen Schweiz liebäugeln wir seit Jahren. In der Sächsischen Schweiz wollen wir gerne mal wieder wandern gehen und auch Bayern, Österreich und die "richtige" Schweiz sind uns noch viel zu unbekannt. Rumänien im Sommer könnte ich mir auch gut vorstellen. Letztes Jahr haben wir uns in Slowenien verknallt und noch viel zu wenig von dem Land gesehen. Schweden steht ebenfalls im Raum. Und wie gerne würde ich mal wieder nach Paris..... Die Auswahl ist riesig und mein Urlaub dummerweise begrenzt. Aber ich denke, wir werden das Beste daraus machen.

 

Fest gebucht ist zumindest schon mal ein Wochenende in Berlin, denn dort findet bald wieder ein Galgo-Marsch statt, ein Protestmarsch durch die Stadt, der auf die grausamen Quälereien aufmerksam machen soll, denen Jahr für Jahr zehntausende Galgos in Spanien im Namen der Tradition ausgeliefert sind. Wir werden mit Kingston dabei sein und denen eine Stimme geben, die keine haben.

 

Ein anderes Jahreshighlight wird im Juni stattfinden. Sting live! Sting!!! Wow! Zum Glück haben wir uns schnell entschieden, Tickets zu kaufen, denn kurz darauf war das Konzert bereits ausverkauft. Wenn ich mir vorstelle, dass ich dieses Jahr "Fields of gold" live hören werde..... *seufz*

 

Und dann kann man sich ja mittlerweile auch mal wieder aus der Deckung trauen und einen Besuch bei den beiden großen Buchmesse in Leipzig und in Frankfurt ins Auge fassen. Leipzig habe ich auf jeden Fall in der Planung, in der Hoffnung, dass nicht wieder verschoben oder abgesagt wird.

 

Büche! Gutes Stichwort! Ich habe 2022 nicht allzu viel gelesen, denn die Konzentration war häufig abwesend. Das will ich 2023 auf jeden Fall ändern, mehr lesen, mehr rezensieren und auch mal wieder Lesungen besuchen.

 

Ansonsten wünsche ich mir Gesundheit, Glück und Zufriedenheit für 2023. Atemberaubende Momente und schöne Augenblicke, spannende Erlebnisse und Sonne im Herzen. Wir werden sehen, was das Jahr uns bringt.... 

 

 

 

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Tue, 03 Jan 2023 17:35:30 +0100
<![CDATA[Buchbesprechung: "Tausend Lichter über der Seine" von Nicolas Barreau]]> https://www.glitzerdings.net/2022/12/13/buchbesprechung-tausend-lichter-%C3%BCber-der-seine-von-nicolas-barreau/ https://www.glitzerdings.net/2022/12/13/buchbesprechung-tausend-lichter-%C3%BCber-der-seine-von-nicolas-barreau/

Rezensionsexemplar  


Erster Satz:

"Der November ist bekannt als ein trister Monat, in dem in der Regel nicht viel passiert."




Alle Jahre wieder ist die Weihnachtszeit für mich die Zeit, in der ausschließlich kitschig-romantische Lektüre gelesen wird. Vom ersten Advent bis zum 26. Dezember trieft der Zuckerguss nur so aus den Seiten und mir macht es dann auch überhaupt nichts aus, wenn ich schon auf Seite 10 weiß, wer am Ende zusammen kommt. Ach was, wenn ich das schon anhand der Informationen auf dem Klappentext weiß! Völlig egal! In der Regel mache ich einen großen Bogen um Romane solcher Art, die Weihnachtszeit ist jedoch eine Ausnahme.

 

Fangen wir also an mit Paris im Winter. Hach! Nicolas Barreau, ein Pseudonym, das uns wohl allen bekannt ist, ist ein Garant für Ich-will-jetzt-sofort-nach-Paris-reisen - Bücher. So auch hier. Denn obwohl dieser Roman im tristen und verregneten November beginnt, ist das übliche Paris-Gefühl sofort da und man träumt sich hinüber in die Stadt der Liebe, die hier zudem auch noch weihnachtlich in Szene gesetzt ist mit vielen funkelnden Lichtern.

 

Joséphine, unserer Hauptprotagonistin, graut es jedoch ein wenig vor Weihnachten, denn wie üblich wird sie das Fest im Kreise der Familie verbringen. Im Kreise der reichen Eltern, die ständig an ihr herummäkeln und der perfekten Schwestern mit ihren perfekten Ehemännern, Kindern und Jobs. Joséphine selber hat es beruflich "nur" zur Übersetzerin für finnische Literatur gebracht, während ihre Schwestern Ärztin und Anwältin sind. Die Tatsache, dass Joséphine bisher noch keinen Ehekandidaten mit nach Hause gebracht hat, bedeutet für sie zusätzlichen Stress, denn natürlich kommt dieses Thema immer und immer wieder auf den Tisch.

 

 

 

"Ich meine, wer denkt schon an die Übersetzerin, wenn er ein Buch aus einer anderen Sprache liest? An die Herausforderung, sich fremde Worte zu eigen zu machen und sie dann zu beheimaten in der eigenen Sprache. Neue Bilder zu finden, die am Ende und im besten Fall genau das transportieren, was der Autor sagen will, und dies alles, ohne dass der Leser überhaupt realisiert, dass er eigentlich ein englisches, spanisches, oder gar finnisches Buch liest. Weil es so klingt, als wäre es in seiner Sprache geschrieben."

 

- Zitat Seite 10 -

 

 

 

Dieser November jedoch hat einige unangenehme Überraschungen für Joséphine im Gepäck und dass in ihrer kleinen Wohnung ein ums andere Mal die Heizung ausfällt, ist da tatsächlich noch das geringste Übel.

 

Dem Thema "Der Familie einen Mann vorstellen" ist Joséphine nämlich durchaus nicht abgeneigt. Dumm nur, dass ihrem Freund seit drei Jahren immer wieder was dazwischen kommt und er seiner Frau bisher noch nicht sagen konnte, dass er sie ja eigentlich schon lange verlassen will.

 

Als wäre das alles nicht schon frustrierend genug, flattert Joséphine auch noch die Kündigung ins Haus. Der kleine Verlag, bei dem sie angestellt ist, ist pleite und die Stellenangebote für Übersetzerinnen finnischer Literatur äußerst dünn gesät.

 

Zu allem Übel ist nun auch noch Onkel Albert gestorben, das schwarze Schaf der Familie, der Bruder des Vaters, der seit Jahren gemieden wurde. In seinem letzten Willen vermacht er Joséphine sein Hausboot, das an der Seine vor Anker liegt. Wenigstens ein kleiner Lichtblick, denkt sich Joséphine, denn das Hausboot kann man sicherlich zu Geld machen. Und Geld benötigt sie gerade dringend. 

 

 

 

"Warum musste immer alles so kompliziert sein in meinem Leben? Ich hatte einen Freund und konnte ihn nicht vorzeigen. Ich hatte ein Hausboot und konnte es nicht verkaufen. Ich war eine Übersetzerin und hatte keine Aufträge."

 

- Zitat Seite 135 -

 

 

 

Da hat sie allerdings die Rechnung ohne den Wirt bzw. den Mieter des Hausboots gemacht, den sie in einer eher unschönen Situation kennenlernt.


In Erinnerungen schwelgend betritt Joséphine das Hausboot, die "Princesse de la Loire" und denkt zurück an jenen Sommer, als sie zehn war und glückliche Wochen mit ihrem Lieblingsonkel Albert auf dem Boot verbrachte und jeden Tag irgendwo anders entlang der Loire ankerte. Melancholie kommt auf und Bedauern darüber, dass sie Albert seit Jahren nicht mehr besucht hat. Spontan beschließt sie, diese Nacht auf dem Boot zu verbringen und wird von den seichten Wellen in den Schlaf geschaukelt.....um dann in Panik aufzuwachen, als sich plötzlich ein ziemlich großer und schwerer Mann auf sie fallen lässt.


Maxime, der Mieter, hat nicht mit Besuch gerechnet und Joséphine hatte keine Ahnung, dass das Boot vermietet ist. - Die beiden hassen sich von der ersten Sekunde an. Verständlich, denn Maxime pocht auf seinen Vertrag über fünf Jahre und Joséphine setzt alles daran, ihn per Anwalt vom Boot zu klagen. Sämtliche Verkaufsgespräche macht Maxime von vorneherein zunichte und so steht Joséphine mit diesem Klotz am Bein da. Aber immer noch ohne Job, ohne Geld und ohne Mann.




"Aber es geht weiter, darling", entgegnete Cedric und drückte meine Hand. "Es geht immer weiter. Du weißt doch, dass nichts so stark ist wie ein menschliches Herz, das wieder und wieder bricht und doch immer weiter schlägt."

 

- Zitat Seite 254 -

 

 

 

Nicolas Barreau hat sich meiner Meinung nach bei diesem Buch ein wenig verzettelt und viel zu viel Handlung hineingepackt. Die ewig kritisierende Familie, der man nichts recht machen kann. Der verheiratete Freund, der mindestens einmal pro Woche verspricht, nun endlich mit seiner Frau zu reden. Das Hausboot, das ein Geheimnis um Onkel Albert birgt. Der Mieter Maxime, der ebenfalls etwas verbirgt. Die Arbeitslosigkeit und Jobsuche Joséphines. Die Dramen ihres schwulen besten Freundes Cedric (den ich übrigens von allen Protagonisten am liebsten mag, denn er ist einfach IMMER für Joséphine da und hört sich geduldig jedes Problem an. Wer so einen Freund hat, kann sich glücklich schätzen). Die Verkupplungsversuche ihrer Schwester. Und natürlich wäre es kein richtiger Barreau, wenn es nicht auch um die Liebe ginge....

 

Ich liebe die Romane von Nicolas Barreau, hier hingegen muss ich leider sagen, dass es der schwächste ist, den ich bisher gelesen habe. Weniger Handlung wäre meiner Meinung nach deutlich mehr gewesen.

 

 

 

"Ich sagte mir, dass man immer wieder lesen konnte, dass an Weihnachten in den Familien die Emotionen oft genug hochkochten, weil alte Gräben wieder aufgerissen wurden und Kindheitsmuster griffen, aus denen man sich schon längst befreit zu haben glaubte, doch das war ein schwacher Trost. Ich starrte zu den erleuchteten Fenstern hoch und merkte, wie mich eine dumpfe Traurigkeit erfasste."

 

- Zitat Seite 276 -

 

 

 

Und natürlich wäre es kein Weihnachtsbuch, wenn hier nicht auch das Fest an sich seinen Raum einnehmen würde. Ein Fest im Kreis der Familie, das so aus dem Ruder läuft, dass Joséphine noch vor dem Dessert das Weite sucht....




M E I N    F A Z I T

__________________

Nicolas Barreau vermag es, den Leser sprachlich und bildlich mit dem ersten Satz nach Paris zu versetzen, was die Romane stellenweise fast zu einem kleinen Stadtspaziergang werden lässt, was auch in "Tausend Lichter über der Seine" sehr gelungen ist. Hier wurde jedoch zudem  leider weniger Wert auf die Ausarbeitung der Charaktere gelegt, sondern vielmehr auf möglichst viele Handlungsebenen, was dann schlussendlich auch zu einem völlig abrupten Ende führte, obwohl mindestens ein Handlungsstrang noch gar nicht richtig zu Ende erzählt war.

 

 

 

3,5 von 5 Glitzersternen 





INFOS ZUM BUCH

 

TITEL: Tausend Lichter über der Seine 

AUTOR: Nicolas Barreau 

VERLAG: Kindler (Rowohlt Verlag) 

ISBN: 978-3-463-00017-6

 

ERSCHIENEN am 18.Oktober 2022

FORMAT: Hardcover 

PREIS: 20,00 Euro 

SEITEN: 304


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Tue, 13 Dec 2022 18:07:51 +0100
<![CDATA[Buchbesprechung: "Zur See" von Dörte Hansen]]> https://www.glitzerdings.net/2022/11/25/buchbesprechung-zur-see-von-d%C3%B6rte-hansen/ https://www.glitzerdings.net/2022/11/25/buchbesprechung-zur-see-von-d%C3%B6rte-hansen/

Erster Satz:

"Auf einer Inselfähre, irgendwo in Jütland, Friesland oder Zeeland, gibt es einen, der die Leinen los- und festmacht, und immer ist er zu dünn angezogen für die Salz- und Eisenkälte eines Nordseehafens."

 

 

 

Zu einem düsteren Ort hat Dörte Hansen diese kleine Nordseeinsel gemacht, auf der sich die Geschichte von "Zur See" zuträgt. Zu einem kalten Ort mit zugekniffenem Mund und hochgezogenen Schultern. Abweisend, frostig und scheinheilig. Verloren gegangen an die Geister der Vergangenheit, jener großen Seefahrer, echter Männer, die monatelang zum Walfang auf dem Meer waren, zuhause erwartet von ihren Frauen, die nie wussten, ob sie im nächsten Jahr Witwe sein würden.

 

Nichts ist übrig geblieben aus dieser alten Zeit außer die vielen Geschichten und die alte Sprache der Inselbewohner. Die Männer fahren schon lange nicht mehr raus auf Walfang und man muss sich wohl oder übel an die heutigen Zeiten anpassen, an die Regeln halten. Das gelingt einigen besser und anderen nur scheinbar.

 

Familie Sander driftet in dieser schnelllebigen Zeit, in der der Familie die Wurzeln geradezu abgeschnitten werden, immer mehr auseinander und in Richtung Abgrund.

 

 

 

"Sie hätten anders leben können, er und Hanne. Stattdessen haben sie das Leben ihrer Eltern fortgesetzt, Seefahrer und Seemannsfrau gespielt, die Wut für eine alte Wut gehalten und die Verletzungen für unvermeidlich. Ein Erbe angetreten, das man auch hätte ausschlagen können. Und ihren Ältesten nicht davon abgehalten, diesen Fehler noch einmal zu machen."

 

- Zitat Seite 155 -

 

 

 

Ryckmer, der älteste Sohn der Familie, hat einst pflichtbewusst das ihm auferlegte Erbe angetreten und ist zur See gefahren. Hat sich hochgearbeitet bis auf die Kommandobrücke eines Frachters und sich anschließend wieder runtergesoffen bis auf die kleine Inselfähre. Wenigstens das bekommt er unter strenger Beaufsichtigung von Mutter Hanne zunächst noch hin. Bis die alkoholgeschwängerten Exzesse immer mehr werden, häufiger werden, zu Totalausfällen werden und Ryckmer fortan an Land bleiben muss.


Dass er schwerer Alkoholiker ist, ist dem Leser relativ schnell klar. Warum seine Familie ihm jedoch in keinster Weise Hilfe anbietet, erst nach und nach. In der Familie Sander wird gearbeitet, man muss immer was zu tun haben. Geredet oder etwas erklärt wird hingegen nicht. Nur der äußere Schein, der muss stimmen. Wie es im Inneren der Familienmitglieder aussieht, ist nicht weiter von Belang. 


So zieht Ryckmer also mit über 40 Jahren wieder in sein Elternhaus und es wird kein Wort darüber verloren. Das ist jetzt bei denen so und fertig. 




"Es ist die Sorte Liste, die sein Vater schon auf seinem Tisch gefunden hat, wenn er nach Hause kam nach langer Fahrt. Hanne Sanders Art zu sagen, dass ein Mann, der nicht auf See ist, sich zumindest nützlich machen soll."

 

- Zitat Seite 103 -

 

 

 

Eske, die Tochter der Sanders, ist die Tougheste der Familie, versucht, zusammenzuhalten, was schon längst auseinandergedriftet ist, zeigt Verständnis und nimmt sich selbst Auszeiten auf dem Festland. Als Altenpflegerin betreut sie nun jene alten Kapitäne, die nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, was es für beide Seiten unangenehm macht.


Henrik, der jüngste Sohn von Hanne und Jens Sander, scheint nicht von dieser Welt zu sein und in seinem eigenen Kosmos zu leben. In einem Schuppen am Strand wohnt er zusammen mit seinem Hund und baut Skulpturen aus Strandgut, die bei den Touristen reißenden Absatz finden. Unverständlich für Hanne. Henrik scheint es jedoch egal zu sein. Er wirkt glücklich und mit sich im Reinen. Als einziger Mann der Familie ist er nie zur See gefahren, trotzdem ist da diese unstillbare Sehnsucht nach dem Meer in ihm.




"Wunschkind kann ein böses Wort sein, wenn dieses Kind die Wünsche seiner Eltern zu erfüllen hat, als wäre es ein Zauberer. Wenn es die Wut verrauchen lassen soll und die Entfremdung überwinden und einen Mann dazu bewegen, dass er bleibt.......Ihr Jüngster hat nicht zaubern können, und wie zur Strafe hat ihn seine Mutter fast vergessen. Während sie mit Jens gestritten hat, die Gäste und das Haus versorgt, ist er im toten Winkel groß geworden."

 

- Zitat Seite 79/80 -

 

 

 

Und dann ist da noch Jens Sander, der Vater. Einst zur See gefahren und immer fremder im eigenen Haus, das Hanne zu einer Pension für Sommergäste gemacht hatte, in dem er seine Frau immer weniger wiedererkannte. Drei Kinder hielten ihn nicht davon ab, irgendwann ganz weg zu bleiben und sich auf einer kargen Felsinsel in einem alten Gebäude als Ornithologe niederzulassen. Nur er, der Wind, das Meer und die Vögel. Jens ist schweigsam und in sich gekehrt und man bekommt den Eindruck, dass ihm diese Welt zuviel ist.




"Es zählten nur die Männer, die hinausgefahren sind. Man sah herab auf trockene Berufe, als wären alle Lehrer, Bauern, Tischler, Bäcker Feiglinge, die sich nur drücken wollten vor der See. Er erinnert sich noch an das Mitleid seines Vaters, als die Neffen in den Einzelhandel wollten und der Onkel fast vor Scham verging."

 

- Zitat Seite 153 -

 

 

 

Eines Tages wird ein noch lebender Pottwal auf der Insel angespült, der schnell zur Metapher von Vergang und Wandel wird. Aus den einst so großen Walfänger-Familien weiß keiner mehr, wie mit einem so riesigen Tier, dass kurz nach dem Anlanden stirbt, erstickt von seinem eigenen Gewicht, zu verfahren ist. Seit Generationen sind die Männer der Insel nicht mehr auf Walfang gewesen, haben allenfalls Krabben gefischt und sehen nun ihre selbst glorifizierte Vergangenheit mit dem Wal sterben.




"Er steht so dicht bei ihm, dass er ihn mit der Hand berühren könnte. Ein Tier, das wie ein Mythos ist, Propheten schluckt und Kapitäne in den Wahnsinn treibt. Das, wenn es will, ein Schiff versenken kann.

Vielleicht graut ihm auch vor dem Menschen neben ihm. Wer weiß, ob nicht die jungen Wale von den alten lernen, dass man sich hüten muss vor Kreaturen wie Jens Sander. Ob sie nicht Schlimmes hören über Lebewesen, die für das Land gemacht sind und auf See zu Ungeheuern werden."

 

- Zitat Seite 134 -

 

 

 

Dörte Hansen hat hier keinesfalls ein Buch geschrieben, bei dessen Lektüre man sofort den nächsten Nordseeurlaub buchen möchte, ganz im Gegenteil. Die Nordseeinsel kommt ablehnend, fast schon feindselig daher, die Bewohner allesamt verzweifelt an alten Traditionen festhaltend, die ihnen doch Tag für Tag mehr entgleiten. Das Thema Tourismus ist hier ein großer Knackpunkt, denn die Insulaner hassen es, müssen aber damit leben, weil sie mittlerweile davon leben.




"Es gibt hier nichts Beständige. Das Fließen, Strömen und Verlanden, Stürmen, Auseinanderreißen hört nicht auf. Land gewonnen, Land zerronnen. Alles will hier Horizont sein.

Und falls die See doch länger brauchen sollte, werden Bustouristen, Kurzurlauber, Kapitänshauskäufer dafür sorgen, dass die Leute von den Inseln untergehen. Ihre Sprache nicht mehr sprechen, ihre Lieder nicht mehr singen, ihre Trachten nur noch für die Gäste tragen und zu Kleindarstellern ihres Lebens werden."

 

- Zitat Seite 168 -

 

 

 

M E I N    F A Z I T

_____________


Dörte Hansen hat es mir nicht leicht gemacht, weder mit dem Ort, noch mit den Protagonisten, noch mit der Geschichte an sich. Hier gibt es keine Freude und kein Glück, hier ist jeder Tag ein harter Kampf, die Stimmung von der ersten bis zur letzten Seite gedrückt. Sämtliche Protagonisten waren für mich nicht greifbar, blieben im Nebel. Dass in diesem Buch die direkte Rede komplett fehlt, hat es für mich auch nicht einfacher gemacht. Aber....die Sprache! Großartig und gewaltig, eine andere Beschreibung fällt mir dazu nicht ein. Dörte Hansen hat einen unverwechselbaren Schreibstil und mit "Zur See" hat sie meiner Meinung nach ein Meisterwerk abgeliefert. Obwohl mir die Geschichte überhaupt nicht gefallen hat, vergebe ich hier



3,5 von 5 Glitzersternen





INFOS ZUM BUCH

 

TITEL: Zur See

AUTORIN: Dörte Hansen

VERLAG: Penguin

ISBN: 978-3-328-60222-4

 

ERSCHIENEN am 28. September 2022

FORMAT: Hardcover 

SEITEN: 256

PREIS: 24,00 Euro

 


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Fri, 25 Nov 2022 17:46:34 +0100
<![CDATA[Buchbesprechung: "Café Leben" von Jo Leevers]]> https://www.glitzerdings.net/2022/11/24/buchbesprechung-caf%C3%A9-leben-von-jo-leevers/ https://www.glitzerdings.net/2022/11/24/buchbesprechung-caf%C3%A9-leben-von-jo-leevers/

Rezensionsexemplar  

Erster Satz:

"Zwei Tage lang liegt der ordentliche Kleiderstapel am Kanalufer, bevor jemand auf die Idee kommt, die Polizei zu informieren."

 

 

 

Café Leben hatte ich ehrlich gesagt überhaupt gar nicht auf dem Schirm....bis es eines Tages in einem Überraschungspaket vom Droemer Verlag zu mir kam und mich direkt für sich einnahm, denn sowohl Cover als auch Klappentext sprachen für sich. Eine äußerst ungewöhnliche Geschichte hat die Autorin Jo Leevers sich hier ausgedacht, eine ungewöhnliche Geschichte, die von schrägen Charakteren, Zwischenmenschlichkeit und einem Cold Case lebt.


Da wäre zunächst die 32jährige Henrietta, griesgrämig, Single, meistens arbeitslos, zynisch, Menschen hassend. Ich mochte Henrietta von Anfang an, nicht nur, weil sie mit Dave, einem völlig gestörten Hund aus dem Tierheim zusammen lebt. Henrietta hat ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern, denn nichts, was sie macht, ist für die Herrschaften auch nur ansatzweise gut genug. Nach und nach erkennt man also, weshalb Henrietta gar nicht umhin kam, sich eine Art Schutzpanzer zuzulegen.


Ihr neuer Job ist ebenfalls mehr als ungewöhnlich: Sie soll tagsüber in einem Hospizcafé, eben jenem Café Leben, schwerkranke Menschen über ihre Lebensgeschichte interviewen und das Ganze dann nachmittags in schriftliche Form bringen. Nach höchstens sieben Sitzungen soll daraus ein "Lebensbuch" für die Hinterbliebenen entstehen. Und wer wäre besser für den Job geeignet, als die völlig emotionslose Henrietta, der menschliche Schicksale nun wirklich absolut egal sind?




"Da ist es wieder, denkt Henrietta, dieses altbekannte Gefühl, nicht zum Klub zu gehören und festzustellen, dass alle anderen schon seit Ewigkeiten voll zahlende Mitglieder sind, während sie selbst noch versucht, die Regeln zu durchschauen."

 

- Zitat Seite 97 -

 

 

 

Mit der Mittsechzigerin Annie bekommt Henrietta eine Interviewpartnerin, die Haare auf den Zähnen hat. Die beiden können sich von Anfang an nicht leiden und so richtig begeistert ist Annie von der Idee Lebensbuch sowieso nicht. Wäre sie nicht so schwer krank, würde sie die ganze Sache vermutlich abblasen. Aber die Ärzte geben ihr nur noch wenige Wochen, was soll man da machen? An Zynismus steht Annie Henrietta jedenfalls in nichts nach und die ersten Gespräche der beiden erweisen sich als äußerst schwierig. 

Dann aber erfährt Henrietta vom frühen Tod von Annies Schwester. Davon, dass Kathleen mit 18 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, dass ihre Leiche aber nie gefunden wurde. Und dass Annie schließlich Hals über Kopf den Falschen heiratete, um ihrem Elternhaus zu entkommen. Jede Menge Fragen bleiben hier offen, Fragen, die Annie sich schon lange nicht mehr stellt, denn sie ist einfach zu müde dazu.


Henrietta verbeißt sich jedoch wie ein Pitbull in diesen Cold Case und fängt an zu recherchieren, was damals wirklich mit Kathleen geschah. 




"Sie setzten Zuneigung und Liebe voraus. In ihrem eigenen Elternhaus war Annie nie derart anmaßend gewesen."

 

- Zitat Seite 111 -

 

 

 

Mit Henrietta geschieht etwas, als sie anfängt, diesen Fall zu recherchieren. Sie wird emotionaler und öffnet sich ein wenig den Menschen, traut sich jedoch auch, ihren schrecklichen Eltern endlich mal zu widersprechen. Denn da ist ja auch noch ein Todesfall in der eigenen Familie, für den ihre Eltern ihr seit ihrem neunten Lebensjahr die Schuld geben. Erst Annie macht ihr klar, dass sie damals noch ein Kind war und nicht die geringste Schuld auf sich geladen hat.


Annie hingegen wird sanftmütiger und vertraut sich Henrietta mehr und mehr an, erzählt ihr von ihrer schrecklichen Ehe mit Terry, der sie permanent gedemütigt und geschlagen hat, bei dem psychische und physische Misshandlungen an der Tagesordnung waren. Und trotzdem ist sie bei ihm geblieben. Weil sie nicht anders konnte. Als er zwei Jahre zuvor auf grausame Weise starb, war das wie ein Befreiungsschlag für Annie. 




"Glück? Sie denken, ich habe Glück? Sie klingen wie die Frau vom Wohnungsamt. Stimmt, in den vergangenen zwei Jahren bin ich aufgewacht, ohne mich wie ein Nervenbündel zu fühlen. Aber was ist mit dem Rest meines Lebens - warum konnte ich das nicht schon früher haben?"

 

- Zitat Seite 204 -

 

 

 

Annie läuft langsam die Zeit davon, der Krebs setzt ihr immer mehr zu und teilweise schafft sie es nicht zu ihren Sitzungen zu Henrietta. Die macht sich hingegen Sorgen, wenn Annie nicht auftaucht und besucht sie daraufhin zuhause, kümmert sich um sie, ist für sie da. Ein Wesenszug, der beiden Frauen fremd ist, der sie aber langsam und auf behutsame und vorsichtige Art und Weise zu Freundinnen werden lässt.


Nebenbei forscht Henrietta weiter im Fall Kathleen, stellt das Internet auf den Kopf, befragt diverse Menschen und ist sich nicht zu schade, einige Bahnfahrten auf sich zu nehmen, um vor Ort zu recherchieren. Was sie dabei herausfindet, ist unglaublich....




"Manche Leute sagen, es wird leichter mit der Zeit, aber ich denke, man gewöhnt sich einfach daran. Der Kummer vergeht nicht, man passt sein Leben um ihn herum an."

 

- Zitat Seite 222/223 -

 

 

 

M E I N    F A Z I T

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Auch wenn es zunächst überhaupt nicht danach aussieht, ist "Café Leben" eine sehr warmherzige Geschichte, die von der stetigen Entwicklung seiner - zugegebenermaßen ziemlich schrägen - Protagonistinnen lebt. Aus Abneigung wird eine tiefe Freundschaft und dass der Cold Case um Kathleen dazu einen permanenten Spannungslevel hält, tut sein übriges. Sprachlich schnörkellos und flüssig zu lesen hat mich dieser Roman sehr gut unterhalten.


4 von 5 Glitzersternen 





INFOS ZUM BUCH

 

TITEL: Café Leben 

AUTORIN: Jo Leevers

VERLAG: Droemer Verlag 

ISBN: 978-3-426-28280-9

 

ERSCHIENEN am 02. November 2022

FORMAT: Hardcover

SEITEN: 320

PREIS: 20,00 Euro


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Thu, 24 Nov 2022 18:43:55 +0100
<![CDATA[Buchbesprechung: "Der Geiger" von Mechtild Borrmann]]> https://www.glitzerdings.net/2022/11/17/buchbesprechung-der-geiger-von-mechtild-borrmann/ https://www.glitzerdings.net/2022/11/17/buchbesprechung-der-geiger-von-mechtild-borrmann/

Erster Satz:

"Der Schlussakkord von Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur schwebte über die Köpfe der Menschen im Parkett, hinauf zu den Rängen, dehnte sich aus zu den Gästen auf den Balkonen und löste sich endlich in der hohen Kuppel des Konzertsaales auf."

 

 

 

Seitdem ich vor vielen Jahren "Die andere Hälfte der Hoffnung" von Mechtild Borrmann gelesen habe, bin ich ein großer Fan der Autorin, denn ihr gelingt es mühelos, ihre Romane gleichzeitig sowohl auf einer kriminalistischen als auch auf einer historischen Ebene laufen zu lassen. Beide Ebenen ziehen sich von Anfang bis Ende wie ein roter Faden durch jedes Buch, zudem hat die Autorin einen wunderbaren, teils poetischen Schreibstil, der es vermag, den Leser in eine komplett andere Welt zu versetzen.


In diesem Fall werden wir ins Moskau des Jahres 1948 versetzt, in einen Konzertsaal, in dem der begnadete Geiger Ilja Grenko soeben ein Konzert beendet hat. Die Menge bejubelt ihn und auch wir Leser kommen nicht umhin, ihn einfach zu mögen, denn er ist ein sympathischer Mensch, lebt nur für seine Musik, seine Stradivari, die schon einige Generationen lang in Familienbesitz ist, und für seine Frau Galina und die beiden Kinder.


Doch nicht alle Menschen sind Ilja wohlgesonnen und dass er oft auf Konzertreisen im Ausland ist, ist der Regierung ein Dorn im Auge. Nach diesem Konzert passiert das, wovor man ihn so oft  gewarnt hat: Er wird verhaftet, des Landesverrats beschuldigt und ohne Prozess zu 20 Jahren Arbeitslager in Workuta verurteilt.




"Manchmal hörte er Schreie aus den Nachbarzellen, hörte, wie Gefangene über den Flur gestoßen oder geschleift wurden. Dann hielt er sich die Ohren zu, schloss die Augen, wählte in Gedanken eine Partitur aus und spielte sie in seinem Kopf, hörte die Geigen, die Bläser, die Cellos, das Klavier. Er neigte den Kopf leicht nach links, hob die Rechte mit dem imaginären Bogen und spielte. In diesen Augenblicken kehrte sein Zeitgefühl zurück, er flüchtete sich in die Takte der Musik, klammerte sich an das Bild eines hin- und herschwingenden Metronoms."

 

- Zitat Seite 42/43 -

 

 

 

Ilja ist niemand, dem man den Horror eines Arbeitslagers, das Überleben in der Kälte  bei immerwährendem Hunger, Schlafmangel und diversen Krankheiten, zutrauen würde, dennoch gibt er nicht auf. Und einmal mehr zeigt sich, warum er dem Leser von Anfang an so sympathisch ist, denn es ist ihm ein ständiges Anliegen, sich um seine Mitgefangenen zu kümmern.


Ilja wird in dem Glauben gelassen, dass seine Frau und seine Kinder unbehelligt bleiben, nicht wissend, dass man ihn böse hintergangen hat. Mit seiner Unterschrift auf einem scheinbar eher formalen Papier hat er sich der geplanten Landesflucht schuldig bekannt, was für Galina und die Kinder das Schlimmste bedeutet: Sie werden in die Verbannung geschickt und leben fortan ohne jegliche Rechte.




"Da wusste sie es. Da wusste sie, worauf sie am Samstag gewartet und was sie am Sonntag gefürchtet hatte. Der Gedanke, den sie zwei Tage lang verweigert hatte, setzte sich durch, wurde laut." Sie holen dich."

 

- Zitat Seite 81 -

 

 

 

Ins kasachische Karaganda geht die Reise für Galina und die Kinder, ohne Hab und Gut und ohne Rechte, außerdem in dem Glauben, dass Ilja seiner Familie den Rücken gekehrt hat und aus Russland geflohen ist.


Die beiden Handlungsstränge um Ilja und Galina ähneln sich in ihrer Hoffnungslosigkeit und Grausamkeit, sind jedoch trotzdem völlig verschieden und so bildlich beschrieben, dass man mit den Protagonisten friert, hungert, leidet, verzweifelt und dennoch einen winzigkleinen Funken Hoffnung am Leben hält.


Ein dritter Handlungsstrang katapultiert den Leser immer wieder in die heutige Zeit, in der Iljas Enkel Sascha zunächst aus nächster Nähe Zeuge wird, wie seine Schwester Vika erschossen wird. Vika, die er jahrelang nicht gesehen hat. In ihrem Nachlass findet er beunruhigende Informationen über den Verbleib der Stradivari, die Ilja Grenko einst in der Nacht seiner Verhaftung abgenommen wurde und seitdem als verschollen gilt. Sascha macht sich daran, diese Geige zu suchen, nicht nur, weil sie rechtmäßig immer noch seiner Familie gehört, auch in dem Wissen, dass ein solches Instrument heutzutage einen unschätzbaren Wert hat.




"Sie wurden auf offene Lastwagen verladen und fuhren durch eine Stadt, der man ansah, dass sie nicht gewachsen war, sondern hingeworfen. Ilja dachte an unbegabte Musiker, die Notenblätter herunterspielten, ohne zu begreifen, dass die Musik zwischen den Tönen wuchs, dass es die Zeit war, die den Klang machte. Es gab durchaus prunkvolle Häuser, aber auch sie wirkten, als wären sie ohne Fundament.

In den Straßen gingen nur wenige Menschen. Einige hoben den Blick, sahen den Wagen mit der verwahrlosten Menschenfracht teilnahmslos hinterher. Müde wirkten sie, so als seien sie auf dem Weg in bewohnbare Gebiete verloren gegangen."

 

- Zitat Seite 121 -

 

 

 

Mit der Suche nach der Stradivari scheucht Sascha schlafende Hunde auf, sticht geradezu in ein Wespennest. Er wird verfolgt, gelinkt, belogen und muss mehr als einmal um sein Leben fürchten. Und dennoch gibt er nicht auf. Diese ganze Geschichte ist voller Korruption und Machtmissbrauch, Gier und Unmenschlichkeit. Attribute, die sich allesamt konstant von 1948 bis in die heutige Zeit ziehen.




M E I N    F A Z I T

___________


Einmal mehr hat Mechtild Borrmann ein äußerst spannendes Buch abgeliefert, das meiner Meinung nach zudem sprachlich überragend ist. Großartig, wie sie drei so unterschiedliche Handlungsstränge ineinander verknotet, so dass sie am Ende ein großes Ganzes ergeben. Einzig das zunehmend verworrener werdende Ende, bei dem die Grenze zwischen Gut und Böse mehr und mehr verschwimmt, hat mir nicht gefallen.


4 von 5 Glitzersternen 





INFOS ZUM BUCH


TITEL: Der Geiger

AUTORIN: Mechtild Borrmann 

VERLAG: Knaur Verlag 

ISBN: 978-3-426-51038-4


ERSCHIENEN am 02. Dezember 2013

FORMAT: Taschenbuch 

SEITEN: 304

PREIS: 10,99 Euro 


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Thu, 17 Nov 2022 17:26:00 +0100
<![CDATA[Buchbesprechung: "Ein ganz besonderes Jahr" von Thomas Montasser]]> https://www.glitzerdings.net/2022/11/11/buchbesprechung-ein-ganz-besonderes-jahr-von-thomas-montasser/ https://www.glitzerdings.net/2022/11/11/buchbesprechung-ein-ganz-besonderes-jahr-von-thomas-montasser/

Erster Satz:

"Hätte jemand durch das Fenster geblickt, er hätte kaum mehr gesehen als den gebeugten Rücken einer mit großer Sorgfalt gekleideten älteren Dame, deren schneeweißer, etwas wirrer Dutt über der Kasse schwebte, von einer müden Deckenlampe in ein gnädiges Licht gehüllt."

 

 

 

Wohl jeder Bücherfreund kennt sie, jene Bücher, die man sich irgendwann einmal anschafft - sei es, weil das Cover einem so gut gefällt oder weil der Inhalt sich interessant anhört. Jene Bücher, die dann aber doch erst mal in den Tiefen der ungelesenen Stapel verschwinden, jene Bücher, deren Zeit einfach noch nicht gekommen ist.

 

Und dann - manchmal erst Jahre später - nimmt man jene Bücher wieder zur Hand, will vielleicht nur mal kurz hineinlesen....und ist fortan zwischen den Seiten gefangen. Genau so erging es mir mit "Ein ganz besonderes Jahr".

 

Dieser Roman kommt sehr leise und behutsam daher, ist der reinste Seelenschmeichler und eine Hommage an das Lesen, an die Bücher und natürlich auch an kleine verwinkelte Buchläden. Buchläden, wie aus der Zeit gefallen, von denen es heutzutage leider nicht mehr allzu viele gibt.

 

 

 

"In der Tat, Literatur kann einen Menschen fesseln und seine ganze Aufmerksamkeit gefangen nehmen. Sie kann uns in andere Welten versetzen und uns der Beschwernisse des Alltags entheben, sodass wir ganz in ihr aufgehen."

 

- Zitat Seite 47 -

 

 

 

Ein ganz besonderes Jahr erlebt in diesem Buch die eher nüchtern veranlagte Valerie, als ihre Tante Charlotte von einen Tag auf den anderen spurlos verschwindet und Valerie vorher noch aufträgt, sich um die Buchhandlung zu kümmern. Valerie, die mit Zahlen umgehen kann aber mit Büchern so gar nichts im Sinn hat. Aber gut, für zwei, drei Wochen wird es schon gehen. Denkt sie....


Aus den Wochen werden Monate, von Tante Charlotte gibt es nicht die geringste Spur und Valerie...die hat sich verändert. Die Buchhandlung hat sie verändert, die Bücher und die Begegnungen mit Menschen und Tieren, die sie immer mal wieder ein kleines Stück ihres Weges begleiten. 


Für Bücherfreunde ist dieser Roman ein kleiner Schatz, denn natürlich geht es um sehr sehr viele teils jedem bekannt Bücher, die Valerie mit der Zeit schätzen und später sogar lieben lernt.




"Valerie gewöhnte sich zunehmend an, Bücher nicht mehr nur auf der ersten Seite aufzuschlagen. Sie begann neugierig zu werden und erforschte, was im selben Moment zu einer ganz anderen Zeit der Geschichte vorfiel. Sie hätte Anna Karenina warnen können. Sie hätte Nicholas Nickleby beigestanden oder Harry Potter. Sie hätte sich unsterblich in Mr. Darcy verliebt, und sie fieberte mit Hal Jam aus Kotzwinkles hintersinniger Parabel Ein Bär will nach oben."

 

- Zitat Seite 146 -

 

 

 

Valeries Leben ändert sich durch das Betreiben der kleinen Buchhandlung grundlegend, wird ruhiger, gelassener und zufriedener. Man freut sich als Leser schon bald darauf, mit ihr vor dem Laden in der Sonne bei einem Tee zu sitzen und einen Plausch mit dem kleinen Jungen zu halten, der immer öfter vorbeikommt oder mit dem persischen Bauarbeiter, der ihr die Autoren seiner Heimat nahe bringt. Absolut entzückend ist Grisaille, eine kleine Ratte, die Valerie öfter besuchen kommt und immer mit einem Schälchen Milch belohnt wird. Ob der Autor hier wohl den allerseits bekannten Begriff  "Leseratte" verewigen wollte?

 

Diese Begegnungen haben alle ihre Zeit und sowohl Mensch als auch Tier tauchen plötzlich auf und verschwinden genauso schnell wieder. Und trotzdem sind sie es, die diesem Buch den letzten Feinschliff geben. 

 

 

 

"Ein Buch zu entdecken, das bedeutete, sich frei über die Notwendigkeiten des Alltags zu erheben und auch das eigene Leben für die Dauer der Lektüre aus dem Hier und Jetzt zu pflücken, um es an einen anderen Ort zu verpflanzen."

 

- Zitat Seite 147 -

 

 

 

Und dann ist da noch dieses eine Buch, das Valerie entdeckt. Das Buch, das den Titel "Ein ganz besonderes Jahr" trägt, auf dem allerdings kein Autorenname steht und das auch nie vollendet wurde. Mit diesem Buch hat es etwas auf sich, es geht geradezu eine Magie von ihm aus. Um das herauszufinden braucht Valerie jedoch einige Zeit. Ein Jahr, um genau zu sein.....

 

 

M E I N    F A Z I T

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Die Geschichte um Valerie und ihre verschwundene Tante, vor allem aber um die Buchhandlung und um all die Bücher, diese Liebeserklärung an die Literatur, hat mich in ihren Bann gezogen. Ich saß so gerne mit Valerie vor der Buchhandlung in der Sonne und habe bei einem Tee aus dem Samowar in unzählige Klassiker hineingelesen, habe mit ihr durch die dunklen Regale der Buchhandlung gestöbert und mich dabei wohl und aufgehoben gefühlt. Dieses Buch umfängt einen wie eine warme Wolldecke und sperrt den Alltag aus. Schickt den Leser für ein paar Stunden an einen anderen Ort und lässt ihn völlig abschalten. Und genau so sollte ein Buch sein! 

 

5 von 5 Glitzersternen 

 

 

 

 

 


INFOS ZUM BUCH 


TITEL: Ein ganz besonderes Jahr 

AUTOR: Thomas Montasser

VERLAG: Piper

ISBN: 978-3-492-30689-8


ERSCHIENEN am 14. Januar 2016

FORMAT: Taschenbuch

SEITEN: 192

PREIS: 11,00 Euro


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Fri, 11 Nov 2022 17:22:00 +0100
<![CDATA[Septembergedanken 2022]]> https://www.glitzerdings.net/2022/10/07/septembergedanken-2022/ https://www.glitzerdings.net/2022/10/07/septembergedanken-2022/

Ein Monatsrückblick 


 

 

Seit Monaten ist es nun schon sehr still auf meinem Blog, denn ich brauchte Zeit für mich, Zeit, um einiges zu verarbeiten, Zeit, die dafür noch längst nicht ausgereicht hat. Mein letzter Beitrag war ein sehr trauriger, dieser wird es leider auch.

 

Die Trauer um unsere Lima und vorher ihr schwerer Krankheitsverlauf haben uns völlig aus der Bahn geworfen und es ist beängstigend, wie sehr unser Leben und wie sehr wir selber uns seitdem verändert haben. Natürlich gab es zwischendurch auch schöne Momente, doch die Trauer ist immer noch allgegenwärtig. Dennoch hatte ich mich wirklich auf den September gefreut. Ich liebe einfach den Herbst, die Luft, das Licht und hatte viele Pläne gemacht. Doch es sollte alles anders kommen....

 

In der Nacht zum vierten September, unserem letzten Urlaubswochenende, bekam Spike, nachdem tagsüber alles völlig normal und wie immer war, plötzlich einen krampfartigen Anfall. Sowas hatte er bis dato noch nie, weswegen wir komplett hilflos danebenstanden und uns schließlich kurz nach Mitternacht beim tierärztlichen Notdienst wiederfanden. Eine Untersuchung ergab nichts Auffälliges, Spike bekam Medikamente und wir fuhren wieder nach Hause.

 

Zwei Stunden später kam der nächste Anfall, der diesmal länger dauerte. Danach wollte Spike nur noch laufen, hatte einen extremen Bewegungsdrang und war nicht zu beruhigen. Also ging ich mit ihm raus. 15 Minuten später dann der dritte Anfall, bei dem ich weinend auf der Straße stand und meinen krampfenden und um sich tretenden Hund im Arm hielt. Danach wollte er wieder nur laufen. Sobald ich ihn auf den Arm nahm, schrie er los.

 

Bis 05.00 Uhr morgens waren wir abwechselnd mit ihm in Bewegung, dann kam er endlich zur Ruhe und schlief in eine Decke gewickelt neben mir ein. Tagsüber war er ziemlich erledigt, ging aber mit uns spazieren und fraß auch ein bisschen. Die folgende Nacht war ruhig. 

 

Am 05. September bekam er morgens den vierten Anfall, woraufhin wir ihm sofort Medikamente verabreichten. Doch anscheinend war schon alles zu spät, denn vormittags kam der fünfte und heftigste Anfall, bei dem wir sofort wieder zum Tierarzt fuhren. 

 

Spike war fast 16 und wenn ein Hund in diesem Alter plötzlich solche Anfälle, die er vorher nie hatte, bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Tumor oder eine Blutung im Hirn ist, sehr hoch. 

 

Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass er irgendwann friedlich im Schlaf stirbt, doch das war ihm nicht vergönnt. Wir mussten noch beim Tierarzt eine Entscheidung treffen und mein Herz zerbrach, denn wir wussten, dass wir ihn gehen lassen mussten. Mein kleiner Spike, mein Seelenhund, der fast 16 Jahre lang an meiner Seite war, mit dem ich durch halb Europa gereist bin und die beste Zeit meines Lebens hatte, starb in meinen Armen. Direkt vor seinem Tod hatte er noch einen kurzen klaren Moment, in dem er sich verabschiedete, uns unsere Tränen vom Gesicht leckte und uns wissen ließ "Hej, es ist okay so." Dann machte er sich auf die letzte Reise. Zu seiner geliebten Lima.

 

Als Lima im April starb, waren wir alle in unserer Trauer gefangen, auch Spike. Gerade in den letzten Jahren waren die beiden extrem zusammen gewachsen und kuschelten sich ständig aneinander. Spike war dabei, als Lima starb, er konnte sich von ihr verabschieden und begriff, dass sie nun nicht mehr da war. Nach ihrem Tod baute er sehr ab, alterte schneller, fraß schlecht, war oft lustlos und nicht mehr so lebensfroh wie sonst. Er vermisste sie unglaublich, daher ist es eine schöne Vorstellung, dass die beiden nun wieder vereint sind.

 

Innerhalb von nur 4,5 Monaten zwei geliebte Familienmitglieder zu verlieren, ist unglaublich hart. Die Trauer ist allgegenwärtig, wir sind gestresst und angespannt, empfinden geradezu körperliche Schmerzen und streiten viel. Die Unbeschwertheit ist aus unserem Leben verschwunden, die Grundstimmung sehr gedrückt und immer mal wieder fragt man sich, ob man es allein jemals aus diesem dunklen Loch wieder heraus schafft. An sonnigen Tagen, an denen man mit viel Arbeit abgelenkt ist, ist man wieder zuversichtlich, doch dann kommen auch wieder die dunklen Tage, zu viel Freizeit, zu viele Gedanken und damit wieder eine Abwärtsspirale, die einen mit sich zieht. Es ist anstrengend und zermürbend und man kann es nur irgendwie aushalten und hoffen, dass es vorbei geht. 

 

 

 

 

Anders als bei Lima war uns noch ein letzter schöner Urlaub mit Spike vergönnt und genau so wie auf dem Bild möchte ich ihn in Erinnerung behalten.

 

Meine Schwiegermutter gab uns letztens einen Zeitungsartikel "Wenn das Körbchen plötzlich leer ist". Darin geht es um diese unglaubliche Trauer, die Menschen nach dem Verlust eines geliebten Tieres empfinden. Leider wird das von vielen Leuten in dieser heutigen schnelllebigen und zunehmend egoistischer werdenden Welt immer noch belächelt. "Es war doch nur ein Hund." heißt es dann. Nein! Es war ein geliebtes Familienmitglied, zu dem man eine große emotionale Bindung hatte. Eine Bindung, wie sie zu Menschen kaum möglich ist. Diese Bindung ist nun gekappt und das ist fast unerträglich.

 


Dieses Jahr war bisher nicht gut zu uns und ist geprägt von Verlusten, Sorgen und Zukunftsängsten. Der Krieg in der Ukraine hat das aus den Angeln gehoben, was Corona vorher schon stetig gelockert hat. Corona, das mich im Juli dann übrigens auch noch erwischt hat.


Als wir Anfang September aus unserem Urlaub zurück kamen, war die Erholung gleich dahin, als wir den Brief von unserem Gasanbieter lasen: knapp 400,- Euro! Monatlich! Wie soll das funktionieren? Woher soll man das Geld nehmen, wenn der Lohn nicht hinterher kommt? Unser Pelletofen wird demnächst auch arbeitslos, denn der Preis für Pellets hat sich direkt mal verdreifacht. Zum Glück haben wir noch genug für einen Winter, danach werden wir aber wohl kaum nachkaufen, wenn der Preis nicht sinkt. 


Vom Sprit gar nicht zu reden. Diese beängstigende Entwicklung trieb uns im August zu einer sehr traurigen Vernunftentscheidung: Wir haben unser geliebtes Reisemobil, unseren Toyota Hilux, verkauft. In diesem Auto steckte so viel Herzblut, denn der Göttergatte hatte es zu einem perfekten Offroader umgebaut und wir haben so viel damit erlebt. Aber 13 l Diesel sind einfach nicht mehr tragbar. Wir wissen nicht, wie sich das mit dem Diesel entwickelt und haben das Auto jetzt verkauft, bevor wir es vielleicht nächstes Jahr nicht mehr oder nur zu einem Preis weit unter Wert loswerden können. Als es abgeholt wurde, haben wir beide geweint, was den Käufer sichtlich irritiert hat.



Eine Reise, die immer etwas Besonderes für mich sein wird und fest in meinem Herzen verschlossen ist: Offroad auf den alten Passstraßen der Westalpen, übernachten in verfallenen Forts aus dem ersten Weltkrieg. Der Toyota hat uns souverän überall hin gebracht und Lima und Spike waren mit viel Freude dabei.
Eine Reise, die immer etwas Besonderes für mich sein wird und fest in meinem Herzen verschlossen ist: Offroad auf den alten Passstraßen der Westalpen, übernachten in verfallenen Forts aus dem ersten Weltkrieg. Der Toyota hat uns souverän überall hin gebracht und Lima und Spike waren mit viel Freude dabei.


Irgendwie bekommt man das Gefühl, dass die Welt und das Leben, in dem man sich bisher doch so aufgehoben fühlte, auseinander brechen. Nichts ist mehr wie es war und diese ganzen Veränderungen schlagen mir viel zu schnell hintereinander ein. 


"Damit etwas Neues beginnen kann, muss etwas anderes enden" habe ich mal gelesen. In Sachen Reisemobilität trifft das zu, denn nachdem wir den Toyota schweren Herzens verkauft haben, haben wir uns einen kleinen Reisewohnwagen zugelegt. Einen wirklich kleinen! Ein Qek Junior, dieser Kult-Wohnwagen aus der ehemaligen DDR, 35 Jahre alt und in Originalzustand. Im Grunde genommen ist es nur ein überdachtes Bett mit einer Küchenzeile, aber für Roadtrips ideal. Der Kleine wiegt leer 340 kg und hat ein Höchstgewicht von 500 kg. Man könnte ihn theoretisch also auch hinter einen Smart hängen. Ich weiß, alles wird teurer bzw. kaum noch bezahlbar, aber dann kaufen die sich noch 'nen zweiten Wohnwagen? Ja! Denn wenn der Tag kommt, an dem ich nur noch für Energiekosten und Lebensmittel arbeiten gehe, werde ich meinem Chef die Kündigung auf den Tisch liegen und von da an zuhause bleiben. Der Qek ist also ein kleiner Lichtblick, den wir über den Winter ausbauen werden, damit wir dann nächstes Jahr zu dritt damit los können. 


Zu dritt? - Ja, Ihr habt richtig gelesen. Im Juli machten wir uns solche Sorgen um Spike, dass wir beschlossen, wieder eine Galgo-Hündin aus dem Tierschutz zu adoptieren. Klein und zierlich sollte sie sein (Lima war mit ihren 70 cm Schulterhöhe für eine Hündin schon überdurchschnittlich groß) und möglichst jung.


Aber dann trafen wir Kingston! Der Göttergatte fand ihn im Netz und uns war beiden beim ersten Blick klar: "Der ist es!" Kingston ist ein kastrierter Rüde, bereits sechs Jahre alt und ein Riese mit 76 cm Schulterhöhe. Wir lernten uns kennen und wussten sofort, dass er bei uns einziehen würde. Kingston und Spike hatten noch 5 Wochen zusammen, bevor Spike sich auf seine letzte Reise machte und auch wenn sie natürlich nicht so dicke wie Spike und Lima waren, kamen sie gut miteinander aus und lagen oft zusammen im Körbchen.




Kingston ist gerade unglaublich wichtig für uns, denn ohne das Geräusch von Hundepfoten auf dem Laminat wäre das Haus schrecklich still. Gerade in der ersten Zeit nach Spikes Tod habe ich viel mit ihm geredet und in sein Fell geweint. Er bringt uns dazu, uns aufzuraffen, wenn wir uns am liebsten verkriechen würden und freut sich immerzu. 


Von Anfang an haben wir gesagt "Den hat uns Lima geschickt", denn dieser Hund ist einfach zu gut, um wahr zu sein. Er findet alles toll, ist mit allem zufrieden, kann ohne Probleme allein bleiben, dekoriert nichts um, liebt Autofahren, knabbert nichts an, ist total verschmust und natürlich stubenrein, schläft nachts durch und hat sich als begeisterter Camper herausgestellt. Kurz: Der unkomplizierteste Hund, den ich jemals gesehen habe. Er geht sogar schwimmen, was für einen Windhund eher eine seltene Ausnahme ist. Nach nur sechs Wochen hatte er schon so eine enge Bindung an uns, dass wir ihn auf einer Wiese haben laufen lassen, was auch ohne Probleme ging.


Wir wissen über Kingston, der genau wie Lima aus Spanien stammt, dass er seine ersten fünf Jahre Deckrüde war (wir haben sogar noch einen Zuchteintrag von ihm im Netz gefunden). Gezüchtet wird natürlich nur mit den Besten, tja und da haben wir ein kleines Manko: Er war sicherlich ein ausgezeichneter Jäger, denn wenn wir mit ihm durch die Felder spazieren gehen, scannt er nonstop die Gegend nach etwas Jagdbarem ab. Dort werden wir ihn also vermutlich nie von der Leine lassen können.


Und Regen! Regen ist sein Endgegner. Er hasst Regen abgrundtief und muss dann tatkräftig überredet werden, überhaupt das Haus zu verlassen. Sobald ihn ein Tropfen am Kopf trifft, ist er nur noch mit Schütteln beschäftigt und hampelt von Hauseingang zu Hauseingang, um sich unterzustellen. Aber Schwimmen ist okay. Versteh einer diesen Hund....




Und falls sich jetzt jemand fragt: "Was ist mit Büchern?" - Nach Limas Tod war es damit erstmal vorbei. Obwohl ich es immer wieder versucht habe, konnte mich nichts erreichen. Die Konzentration war allerdings auch nicht die beste, die Gedanken schweiften immer wieder ab. Über den Sommer habe ich dann doch wieder gelesen und auch einige Bücher beendet, von denen mir allerdings nicht allzu viele in Erinnerung geblieben sind.


Erst zum Herbstanfang hin war ich wieder in meiner alten Leseform und finde nun wieder die nötige Ablenkung zwischen den Seiten, kann wieder abtauchen und alles um mich herum vergessen.


Arbeitstechnisch gab es fast eine große Veränderung: Im August hatte ich mal wieder die Nase voll davon, jeden Tag 45 km zur Arbeit hin und anschließend 45 km wieder zurück zu fahren und habe mich kurzerhand online hier vor Ort beworben. Nach einer Stunde hatte ich einen Termin zum Vorstellungsgespräch zwei Tage später, wiederum drei Tage später war ich ein paar Stunden probearbeiten. Nachdem der Chef mir beim Bewerbungsgespräch alles in den buntesten Farben ausgemalt hatte, wurde dann allerdings beim Probearbeiten klar, dass ich hier weitaus mehr Arbeit für weitaus weniger Geld leisten müsste. Insofern sitze ich doch lieber täglich 1,5 Stunden im Auto. Man hatte tatsächlich nach dem Probearbeiten fest mit meiner Zusage gerechnet, denn dort ist es so wie wohl fast überall: Personalknappheit. Die Leute gehen seit Wochen auf dem Zahnfleisch. 


Diese Personalknappheit hat uns nun auch erreicht. Seit September fehlen bei uns auf der Arbeit 1,5 Stellen. Das heißt, dass etwa 200 Stunden im Monat von uns Übriggebliebenen, von Aushilfen und von Azubis aufgefangen werden müssen. Wenn dann noch einer krank wird, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Ich muss allerdings ganz ehrlich sagen, dass mir das viele Arbeiten im Moment gut tut, denn es lenkt mich ab. 


Nachdem die letzten sehr arbeitsintensiven  Tage also eigentlich ganz okay waren, hat mich die Trauer heute, an meinem freien Tag, wieder richtig im Klammergriff. Die Tränen laufen und laufen und es wird einfach nicht besser. Das hat mich dazu gebracht, mir hier einfach mal alles von der Seele zu schreiben. Vielleicht ist es ja ein bisschen wie ein symbolischer Abschluss für mich, was wünschenswert wäre. Denn ich bin einfach völlig erschöpft und verspannt und so müde. 


Ich weiß nicht, was die nächste Zeit bringen wird, aber ich bin der Meinung, dass nun schon genug Negatives und Schreckliches passiert ist, dass es für mehrere Jahre reicht. Die Trauer wird mich vermutlich niemals ganz verlassen, aber ich hoffe, dass es irgendwann leichter wird und ich mich mit einem Lächeln an unsere beiden Knalltüten erinnern kann. Dass ich irgendwann wieder mit einer unbeschwerten und positiven Grundeinstellung durchs Leben gehe. Ich weiß es nicht. Aber die Zeit wird es mit sich bringen... 




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Fri, 07 Oct 2022 05:40:00 +0200
<![CDATA[Maigedanken]]> https://www.glitzerdings.net/2022/06/02/maigedanken/ https://www.glitzerdings.net/2022/06/02/maigedanken/

Ein Monatsrückblick 

Rückblicke sind in der Regel dazu da, um zu reflektieren, um schöne Momente gedanklich noch einmal zu erleben oder auch, um aus Fehlern zu lernen. Rückblicke können jedoch auch sehr traurig sein. So wie dieser hier...

....denn unsere Lima ist nicht mehr bei uns. Siebeneinhalb Wochen ist es nun her, dass wir sie gehen lassen mussten, dass sie inmitten ihres Rudels auf ihrem Lieblingssofa für immer eingeschlafen ist - und der Schmerz und die Verzweiflung darüber haben bisher kein Stück nachgelassen. Der Mai war nach achteinhalb gemeinsamen Jahren der erste komplette Monat ohne sie. Sie fehlt uns allen so sehr. 


Wir wussten, dass es ihr letztes Jahr bei uns sein würde. Wir wussten, da sie so stark abgebaut hatte, dass sie Weihnachten nicht mehr erleben würde. Dass es dann aber so schnell gehen würde, dass von Januar bis zu diesem Tag im April Sorgen und emotionaler Stress unsere ständigen Begleiter sein würden - damit hatten wir nicht gerechnet. Ihr immer besorgniserregender werdendes Laufbild, die schlechten Leberwerte und der Dauerdurchfall sprachen ihre eigene Sprache. Physiotherapie, Massagen und frisch Gekochtes brachten leider nur kleine Erfolge. Im März dann nach einem Gentest der Schock: Lima litt an Degenerativer Myelopathie, einer Krankheit, die die Nerven absterben lässt. Einer Krankheit, die nicht heilbar ist. Einer Krankheit, die uns dazu zwang, unserem Hund beim Verschwinden zuzusehen.


Die Lebensfreude verließ Lima nach und nach und als sie am 8. April kaum noch stehen und laufen konnte, wussten wir, dass es soweit ist. Am 11. April trat sie ihre letzte Reise an und hinterließ eine riesengroße Lücke. Zuhause fühlte sich nicht mehr wie zuhause an und der Urlaub, der kurz danach anstand, war der traurigste, den wir jemals erlebt haben. Wir verstreuten etwas von ihrer Asche am Strand, denn den Strand hatte sie geliebt. Wie schön war es immer, sie dort laufen zu sehen, mit ihrem typischen Lachen im Gesicht, weil sie einfach nur zu ihrem Vergnügen Gas geben durfte und nicht, wie damals in Spanien, Leistung erbringen musste und skrupellos dorthin geprügelt wurde. 


Heute ist es nun siebeneinhalb Wochen her. Wir sind nicht mehr komplett und wir leiden alle drei wie am ersten Tag. Immer noch fließen fast täglich die Tränen und die Trauer packt einen meist urplötzlich und lässt dann erstmal nicht mehr los. Der kleine Spike vermisst seine Gefährtin extrem und mag nicht mehr allein sein. Sie gab ihm gerade in den letzten Jahren, als er zusätzlich zu seiner Blindheit auch noch taub wurde, sehr viel Sicherheit. Nun ist sie nicht mehr da. Und das tut weh. Jeden Tag, jede Stunde und jede Minute. Denn Lima war ein ganz besonderer Hund. Sie fehlt so sehr. 


Ich wusste nicht, dass Trauer einen Menschen derart auslaugen und lähmen kann. Aber das kann sie. Trauer ist mächtig. Leider. 


Da sind wir also nur noch zu dritt und immer wieder kommt von Freunden und Bekannten die Frage, ob wir wieder einen zweiten Hund wollen? - Irgendwann bestimmt. Im Moment ist die Trauer um Lima aber noch zu präsent. Wir haben sehr viel zu verarbeiten und das wird dauern.



Und sonst so im Mai....

Es gab eine sehr einschneidende Neuerung bei uns im Mai, die uns glaube ich allen drei extrem gut tut: Wir sind jetzt Dauercamper! Wie es dazu kam ist schnell erklärt: Ukraine - explodierende Spritpreise - die Frage, ob man es sich überhaupt noch leisten kann, den Wohnwagen tausende Kilometer weit zu ziehen. Geliebäugelt hatten wir immer mal wieder mit einem festen Stellplatz, allerdings muss einem ja auch der Campingplatz und das Drumherum gefallen und es sollte nicht allzu viel Fahrtzeit beanspruchen, aber auch nicht um die Ecke sein. Was soll ich sagen? - Wir haben unseren Platz gefunden. Ein kleines Naturparadies, in dem man keine von Menschen gemachte Geräusche hört. Ein Platz, an dem wir richtig zur Ruhe kommen, was wir im Mai schon ausgiebig getestet haben. Ein Platz, der uns ein kleines Stückchen Glück zurück ins Leben bringt. 

Dafür, dass wir erst seit vier Wochen zu den Dauercampern gehören, ist auf unserer Parzelle schon einiges passiert, denn der Göttergatte (nebst Bauleitung Spike) hat an nur einem Wochenende, an dem ich leider arbeiten musste, komplett allein die Terrasse und den Zaun aufgebaut (und hatte am Montag danach solchen Muskelkater, dass er nur noch rückwärts die Treppe runter kam). Eine Feuerstelle, ein Weg zur Terrasse und zum Geräteschuppen (der ebenfalls in Eigenregie entsteht und ein kleines Schwedenhäuschen werden soll) und etwas ortstypisches Grünzeugs sollen das Ganze komplett machen. Aber schon jetzt ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen und wir fühlen uns extrem wohl auf unserer Parzelle.



Mit dem Dauerstellplatz kam ein neues Hobby: Stempel sammeln. Denn der Wohnwagen steht nun - wie soll es anders sein - in unserem heißgeliebten Harz und hier gibt es die Stempelstellen der Harzer Wandernadel - 222 Stempel, die über den ganzen Harz an interessanten Orten verteilt sind. Fünf haben wir bereits "erwandert" und sind dabei sogar einmal in den Genuss einer Kletterpassage gekommen. 

Es macht Spaß und den Kopf frei und Spike ist immer dabei (tatsächlich auch beim Klettern, denn 3,5 kg Hund sind schnell verstaut) und das ist doch mehr, als man sich wünschen kann.



Wir sind im Mai sehr viel mit dem Rad gefahren und was mit Lima aufgrund ihrer Größe leider nie möglich war, ist mit Spike nun kein Problem mehr: Er kommt mit! Sitzt wie Graf Koks in meinem Lenkerkorb und lässt sich den Wind um das Schnäuzchen wehen. 

Natürlich kommen die Räder nun auch mit zur Parzelle im Harz und der Göttergatte plant, dort demnächst mal mit den Rädern hoch auf den Brocken zu fahren. Man darf gespannt sein....



Ebenfalls neu im Mai: Drei Hochbeete sind in unseren Garten gezogen und ich hoffe sehr, dass ich mir demnächst das immer teurer werdende Gemüse aus dem Supermarkt sparen kann. 

Die Tomaten, die ich aus Samenkörnern gezogen habe, machen sich hervorragend und zeigen schon erste Blütenstände. Bei den Chilis und Radieschen tut sich auch einiges. Die Zucchini werde ich wohl teilweise verschenken müssen, denn ich glaube, das werden sehr sehr viele. Die Physalis wollen leider nicht so recht wachsen. Die Salatgurken sind voller Blüten, allerdings auch voller Ameisen. Möhren, Dill, Petersilie, Rosmarin und Basilikum wachsen ebenfalls erfreulich gut. Sorgen macht mir dabei nur, dass überhaupt keine Bienen unterwegs sind. Ich habe vorgestern eine bei uns im Gras gesehen und da ist mir erst aufgefallen, dass ich vorher im Jahr noch gar keine gesehen habe. Zumindest nicht bewusst.



Lesetechnisch ist der Mai nicht weiter erwähnenswert, denn nach Limas Tod hatte ich große Schwierigkeiten, mich überhaupt auf Bücher zu konzentrieren, habe viele angefangen und dann doch wieder zur Seite gelegt. Nichts konnte mich so richtig erreichen und die Gedanken schweiften immer wieder ab. 

Drei Bücher habe ich dann allerdings doch beendet:


Sommernacht von Lucy Foley ist das klassische "Mehrere Personen sind von der Außenwelt abgeschnitten und unter ihnen ist ein Mörder". Interessant ist hierbei, dass das Ganze rückwärts erzählt wird und der Leser erst zum Schluß erfährt, wer die Leiche ist. Teilweise arg übertrieben, trotzdem eine gute Unterhaltung.


Während Das Chalet von Ruth Ware ebenfalls das Abgeschnitten-von-der-Außenwelt-Thema bedient, hierbei jedoch gleich von Anfang an zu viel verrät. Wenn man eins und eins zusammenzählt, weiß man recht schnell, wer der Mörder ist und nach der Hälfte nennt die Autorin auch den Namen. Der Rest ist ein Katz-und-Maus-Spiel mit einem mehr als lahmen Ende. Nicht weiter erwähnenswert.


Mittelalter von Thomas Frenz gehört zur 100 Seiten Reihe des Reclam Verlags und behandelt auf exakt 100 Seiten alles Wichtige über das Mittelalter. Ich mag diese Reihe total, denn man kann noch viel dabei lernen. 




Bleibt mir also nur, Euch einen schönen Juni zu wünschen und darauf zu hoffen, dass dieser Monat mehr Freude als Trauer für mich bereit hält.


Oh, und nochmal zum Thema Camping: Natürlich urlauben wir jetzt nicht nur noch im Harz. Ganz im Gegenteil, denn der nächste Dachzelturlaub/Roadtrip steht schon in den Startlöchern. Später hier dann dazu mehr....





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Thu, 02 Jun 2022 01:19:44 +0200
<![CDATA[12 von 12 im Mai 2022]]> https://www.glitzerdings.net/2022/05/12/12-von-12-im-mai-2022/ https://www.glitzerdings.net/2022/05/12/12-von-12-im-mai-2022/

Der ganz normale Alltagswahnsinn in 12 Bildern 

Hallo, da bin ich wieder. Lange ist es her, seitdem ich hier zum letzten Mal etwas von mir hören ließ, was daran liegt, dass ich eine ziemlich schwere Zeit hinter mir und immer noch daran zu knappsen habe. Unsere Lima, die Ihr jahrelang bei jedem einzelnen 12 von 12 und in vielen Reiseberichten gesehen habt, lebt nicht mehr. Am 11. April ist sie inmitten ihres Rudels für immer eingeschlafen und hat ein riesengroßes Loch in unser Leben gerissen. Man denkt, man ist darauf vorbereitet, denn wir wussten ja, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt.....aber nichts ist man. Gar nichts!


Gestern war es genau ein Monat ohne Lima und es ist immer noch sehr schlimm für uns. Täglich fließen die Tränen und uns allen geht es schlecht. Auch der kleine Spike ist nicht mehr derselbe. Er vermisst seine große Freundin, an die er sich immer gekuschelt hat, wenn wir nicht da waren. Sie hat ihm, der mittlerweile blind UND taub ist, Sicherheit gegeben, dass da jemand ist, dass er nicht allein ist. Diese Sicherheit fehlt ihm nun so sehr und er kann überhaupt nicht mehr allein sein. Manchmal lässt es sich natürlich nicht vermeiden und dann bricht es einem das Herz, dass der Kleine nonstop jammert und heult und überhaupt nicht zur Ruhe kommt.


Es gibt Momente, da ist eine gewisse Akzeptanz da, da macht man sich bewusst, dass Lima ein wunderschönes Leben bei uns hatte und dass wir ihr einen letzten Dienst erweisen konnten, indem wir sie von ihrem Leid erlöst haben. Und plötzlich springt einen dann doch wie aus dem Nichts wieder eine Erinnerung an und die Tränen fließen und fließen.


Trauer ist verdammt anstrengend, Sorge ebenfalls. Seit Anfang des Jahres, seitdem uns wirklich klar war, dass dies Limas letztes Jahr bei uns sein würde, gehen wir emotional auf dem Zahnfleisch und sind dauergestresst. Klar gab es in der ganzen Zeit auch schöne Momente und es ist einiges Positives passiert. Trotzdem ist die Trauer immer noch zu präsent und verlangt uns viel Kraft ab. 



Hoffen wir also, dass dieser Tag ein fabelhafter Tag wird!



1. To Do Liste

00.50 h - Nachtschicht. Mal wieder. Und noch die ganze Woche. Und momentan mit sehr sehr viel Arbeit. Da ich aber einen Master im Prokrastinieren habe, sitze ich hier und schreibe eine To Do Liste für den Tag. Wohl wissend, dass ich nicht vor 07.00 h ins Bett komme und ganz sicher auch nicht vor 14.00 h aufstehe. Und dann genau sieben Stunden Zeit habe, um eine Million Dinge zu erledigen, bis ich um 21.00 h zur nächsten Nachtschicht muss. Ich vermute allerdings, dass ich den Tag dann dazu nutzen werde, um eine To Do Liste für den nächsten Tag zu schreiben, denn wie gesagt: Im Prokrastinieren bin ich richtig richtig gut.




2. Breaking News!

02.12 h - Es! regnet!!!! In Anbetracht der Tatsache, dass der letzte Regen irgendwann vor sechs Wochen runterkam, ist das schon eine kleine Sensation. Erfreulicherweise ist es kein Platzregen und von mir aus kann es auch gerne ein paar Stunden genau so weiterregnen. Ab 14.00 h dann aber bitte wieder Sonne, ne?




3. Ziemlich negativ

05.22 h - Die tägliche Dosis Nasebohren. Tatsächlich mache ich an jedem Arbeitstag freiwillig einen Test und zum Glück waren bisher alle negativ. Das darf auch gerne so bleiben, zumal es bald in den Urlaub geht.




4. Hochbeetkontrolle

06.47 h - Endlich Zuhause! Erstmal Spike knuddeln und dann nochmal mit ihm in den Garten, um zu gucken, was sich in den Hochbeeten tut. Hier hat es ebenfalls geregnet, aber zum Glück haben die Tomaten, die noch kein Dach haben, nichts auf die Blätter gekriegt. Da sind sie ja sehr zimperlich, die feinen Herrschaften. Die Zucchini, die Ihr im Bild seht, wachsen und wachsen und wenn aus jeder Blüte eine Zucchini wird, kann ich wohl bald hauptberuflich damit handeln. Ich mache das mit den Hochbeeten dieses Jahr zum ersten Mal und finde es jeden Tag aufs Neue faszinierend, was aus so einem kleinen Samenkorn alles entsteht. Nun hoffe ich allerdings auch auf eine reiche Ernte, denn als Vegetarierin spare ich dadurch im Sommer natürlich eine Menge Geld.




5. Wasser marsch!

14.21 h - Kaum aufgewacht checke ich meine Emails und WhatsApps...und schon laufen wieder die Tränen. Limas Physiotherapeutin möchte sie in Erinnerung behalten und ihren Namen auf einem Stein vor der Praxis verewigen und fragt, ob das für uns okay ist. Natürlich ist das okay! Ich finde es eine sehr liebe und rührende Geste. Lima war ein ganz besonderer Hund, nicht nur für uns. Und das ist irgendwie sehr tröstlich.




6. Hund, Buch & Kaffee

15.28 h - Eine äußerst reizvolle Kombi, mit der ich jetzt die nächsten drei Stunden genau hier im Bett verbringen könnte. Aber nein, ich versuche mich zu beherrschen und daraus nur eine halbe Stunde zu machen. Spike schläft eh noch.


Meine aktuelle Lektüre "Ein Lied für Molly" von Claudia Winter [Rezensionsexemplar] erscheint am 16. Mai und entführt den Leser (auf meinem Blog wird nicht gegendert, denn Ihr seid alle clever genug, um zu wissen, dass ich mit "Leser" alle lesenden Menschen meine) nach Irland. Eine bisher richtig schöne Geschichte zum drin versinken und die Welt abzuschalten. Genau das, was ich momentan brauche.




7. Gassigehen

16.43 h - Erster Punkt auf der heutigen To Do Liste: Zum örtlichen Buchhandel und ein Buch für Schwiegermutter bestellen. Natürlich zufuß und natürlich verbunden mit einer Gassirunde mit Spike entlang der südlichen Stadtmauer.




8. Frühstück!

16.58 h - Rein zufällig liegt auf dem Rückweg vom Buchladen eine Eisdiele. Der Rest ist Geschichte...




9. Shopping Marathon

18.57 h - Zweiten Punkt auf der To Do Liste erledigt: Den großen Wocheneinkauf. Und der war heute wirklich groß. Der reinste Marathon inklusive Kleinstadtrundfahrt: Raiffeisenmarkt (Hundefutter und Antigrünbelagzeugs), Tankstelle (Gastank vollmachen), Lidl (was man halt so die Woche über gedenkt zu kochen), dm (Kartusche für den Soda Stream wechseln) und Obi (Dach für die Tomaten kaufen). Teuer und zeitaufwändig, das Ganze. Aber muss ja trotzdem gemacht werden.




10. Mahlzeit

19.23 h -.....bzw. Brotzeit. Heute mal was auf die Schnelle. Schmeckt schließlich auch. Und Salatgurken, Frühlingszwiebeln, Möhren, Rosmarin, Basilikum und Dill kann man hoffentlich bald direkt im Sitzen ernten.




11. Tomatenwohnung

20.06 h - Es ist amtlich: Die Tomaten haben jetzt ein Dach über dem Kopf. Und die Chilis gleich mit. Wer in der Bude noch fehlt, sind Radieschen und Koriander, die ziehen aber auch bald ein.




12. Done for today

20.39 h - Und kaum hat man die Küche sauber und sich um die Wäsche gekümmert, ist es auch schon wieder Zeit, zur Arbeit zu fahren.

 

 

In diesem Sinne....haltet die Ohren steif!

 

 

Mehr 12 von 12 gibt's wie immer bei Caro vom Blog Draußen nur Kännchen.

 

 

 

 

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Thu, 12 May 2022 22:23:00 +0200
<![CDATA[Die 100 Seiten Reihe]]> https://www.glitzerdings.net/2022/05/10/die-100-seiten-reihe/ https://www.glitzerdings.net/2022/05/10/die-100-seiten-reihe/

Sachbücher kann man lieben oder hassen, denn egal, wie sehr man sich auch für ein Thema interessiert: Jene Bücher bringen selbiges meist sehr trocken und langatmig rüber. Der Reclam Verlag hat sich diesbezüglich etwas richtig Tolles einfallen lassen und eine Sachbuchreihe herausgebracht, die ihresgleichen sucht: Die 100 Seiten Reihe. Hierbei gibt es jeweils ein Hauptthema, bei dem auf exakt 100 Seiten auf das Wesentliche eingegangen wird. 100 Seiten, die nicht zu lang werden. 100 Seiten, bei denen die Autoren auf den Punkt kommen. Und 100 Seiten, bei denen man was lernt, da man nicht endlos mit Informationen vollgeballert wird.


100 Seiten, bei denen die Themenauswahl höchst ungewöhnlich und daher äußerst reizvoll ist. Ein paar Beispiele gefällig? - Bitteschön: Game of Thrones. Royals. Trash-TV. Vampire. Resilienz. Buddhismus. Ötzi. James Bond. Menschenrechte. Wasser. Feminismus. Die weiße Rose. Jane Austen. Mata Hari. Die 1920er Jahre. Gilmore Girls. Zen. 11. September. John F. Kennedy...... und das ist nur eine kleine Auswahl.


Nachfolgend kommen nun in alphabetischer Reihenfolge (und immer mal wieder aktualisiert) einige Kurzrezensionen von mir zu verschiedenen Themen der 100 Seiten Reihe.




K wie Klimakrise

Ach ja, was waren das noch für Zeiten, in denen man heizen konnte, ohne dabei Angst haben zu müssen, sich finanziell zu ruinieren. Damals. im letzten Winter. Heute sitzen wir mit Wärmflasche und Kuscheldecke auf dem Sofa und heizen nur so viel, wie unbedingt nötig ist. Wir befinden uns mitten in einer Energiekrise und zumindest die kommt der Klimakrise zugute.

 

Ansonsten sieht es sehr schlecht mit unserem Klima aus, was Günther Wessel in seinem Buch "Klimakrise" auf 100 Seiten sehr deutlich und anschaulich erklärt.

 

"Eine Wahl haben wir nicht. Nichtstun ist keine Option, jedenfalls für niemanden, der jünger als 50 Jahre ist - er oder sie wird die schlimmeren Auswirkungen der Klimakrise noch miterleben." - Zitat Seite 3

 

Aber wie konnte es überhaupt soweit kommen? Wieso ist alles so dermaßen aus dem Ruder gelaufen und was können wir dagegen tun? Können wir überhaupt noch etwas dagegen tun oder rennen wir sowieso schon geradewegs unserem Untergang entgegen?

 

Die gute Nachreicht ist: Ja, wir können noch etwas tun, aber wir müssen JETZT handeln. Wie es zu diesen immensen Ausstoßen von CO2 kommt, warum das kleine Deutschland mitverantwortlich ist, warum gerade die allerärmsten Länder am meisten darunter leiden und wer sich an der ganzen Misere mehr und mehr bereichert, kann man gut verständlich in "Klimakrise" nachlesen. Hier wird auch endlich mal der Blödsinn widerlegt, Kühe wären am Co2-Ausstoss maßgeblich mitbeteiligt. Das ist Quatsch, denn Kühe auf der Weide schaden der Umwelt überhaupt nicht. Probleme hingegen, große Probleme, macht die Massentierhaltung in engen Käfigen. Und dafür ist einzig und allein der Mensch zur Rechenschaft zu ziehen.

 

"Kohlendioxid in der Atmosphäre fängt die Wärme ein, und wir fügen der Atmosphäre stetig mehr Kohlendioxid hinzu. Der Rest sind Details." - Zitat Seite 7

 

Es wird also warm und immer wärmer. Die Nordseeküste wird ihr Bild verändern, einige Städte werden in naher Zukunft unter dem Meeresspiegel liegen, viele Tier- und Pflanzenarten ausgerottet sein. 

 

"Klimakrise" veranschaulicht sehr deutlich, dass es allerhöchste Zeit ist, zu handeln. Einzig zu bemängeln habe ich an diesem Buch, dass es mit so vielen Zahlen und Abkürzungen aufwartet, bei denen ein Laie wie ich nur schwer mitkommt. Dennoch finde ich, dass es jeder mal gelesen haben sollte.

 

 

 

M wie Mittelalter

Ach, was liebe ich historische Romane oder Filme und Serien, die in dieser Zeit angesiedelt sind. Zugegeben, meine Sicht auf diese Epoche ist durch die Fantasie diverser Autoren sicherlich verharmlost worden, denn im Mittelalter ging es ganz bestimmt nicht gerade zimperlich zu.


Thomas Frenz hat sich der Sache angenommen und schreibt auf 100 Seiten Tacheles. Da wäre zunächst die Frage zu klären, wann genau das Mittelalter eigentlich angefangen hat und wann Schluss damit war? Warum hört man so oft vom "finsteren Mittelalter"? Was hatte es mit "Ordo", der göttlichen Ordnung auf sich und warum sollte diese nicht verändert werden? Warum waren Ehen mehr geschäftlich als romantisch und warum hatte die Kirche so viel Macht? Wie funktionierte das Schulsystem und was genau war Minnedienst? War ein Ritter gleich ein Ritter? Wovon ernährte man sich eigentlich damals?


Fragen über Fragen, auf die es in diesem Buch auf 100 Seiten Antworten gibt. Einige wichtige und uns bekannte Personen dieser Epoche werden ebenfalls mit ihren familiären Verbindungen vorgestellt, so dass man sich ein lebhaftes Bild machen kann. 


Mein Fazit: Ich habe sehr viel aus diesem kurzweiligen Buch gelernt und bin tatsächlich mehr als schockiert, dass es im Mittelalter gar keine Hexenverfolgungen gab. Das war ein Spleen der Neuzeit. Ob das wohl auch die Autoren sämtlicher historischen Romane wissen?





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Tue, 10 May 2022 23:43:34 +0200
<![CDATA[Buchbesprechung: "Morgen kann kommen" von Ildiko von Kürthy]]> https://www.glitzerdings.net/2022/04/28/buchbesprechung-morgen-kann-kommen-von-ildiko-von-k%C3%BCrthy/ https://www.glitzerdings.net/2022/04/28/buchbesprechung-morgen-kann-kommen-von-ildiko-von-k%C3%BCrthy/

Rezensionsexemplar  

Erster Satz:

"Es geschah an dem Tag, an dem ich neu anfangen wollte."



....und schon hat es die Autorin geschafft, mich mitten in diese Geschichte zu katapultieren, mich neugierig zu machen auf das was war und einen Neuanfang erfordert, auf das was an jenem Tag geschah und auf das was kommen wird. Ein Satz.... und man will einfach nur weiterlesen.


Wir lernen also Ruth kennen, die ihr Leben lang nur eins ist: angepasst und den Wünschen anderer entsprechend. Erst denen der Eltern, dann denen ihres erfolgreichen und berühmten Mannes. Ruth führt ein Schattendasein und setzt sich immerzu an die letzte Stelle. Will es ständig allen nur recht und möglichst bequem machen und hat sich selbst dabei schon lange aus den Augen und auch aus dem Sinn verloren.



"Aber es ist auch einfach verdammt schwer, glücklich zu sein, wenn man fünfzehn Jahre verheiratet, ein halbes Jahrhundert alt ist und Heidi Klum auf Instagram folgt."

- Zitat Seite 56 -  



Ruth funktioniert und hält die Maschinerie Ehe am laufen, beklagt sich nicht und ist so in ihrem Trott gefangen, dass sie sich noch nicht mal fragt, ob sie eigentlich glücklich ist.


Doch dann kommt dieser ominöse Tag....ein Besuch im Drogeriemarkt....und ein Zufallsfund, der Ruths Weltbild ganz gewaltig in Schieflage bringt. Ein vergessenes Foto, das Ruths Leben fortan auf Links krempelt. 


Ruth flüchtet. Und der Leser lernt Gloria kennen... 



"Es war ein bescheuerter Reflex, den die allermeisten Frauen verinnerlicht haben und partout nicht loswerden. Er fällt in die Kategorie "Höflichkeit vor Ehrlichkeit" und liegt in einer jeden weiblichen Seelenkommode in der übervollen Schublade mit der Aufschrift  "Wie ich allen anderen gefalle außer mir selbst". Wir hören zu, obwohl wir uns zu Tode langweilen, wir nicken, obwohl wir kein Wort verstanden haben, wir lächeln, obwohl wir lieber gähnen würden, und wir lachen, wenn wir stattdessen aufstehen, auf den Boden spucken und gehen sollten."

- Zitat Seite 78 -  



Gloria ist Ruths Gegenpol, ihre Schwester, zu der sie seit 15 Jahren, seit dem Abend ihrer Hochzeit, keinen Kontakt mehr hat. Gloria ist unangepasst und laut. Gloris sagt ihre Meinung und schert sich nicht darum, was andere Menschen von ihr denken. Gloria macht nur das, was sie will. Gloria war ein ewiges Ärgernis für die Eltern und hat am Abend von Ruths Hochzeit etwas so Ungeheuerliches gemacht, dass Ruth daraufhin den Kontakt abgebrochen und nie zurück geschaut hat. Der Leser jedoch fragt sich mehr und mehr "Hat Gloria wirklich....?".


Gloria hat nämlich auch eine andere Seite. Gloria ist sensibel und leidet immer noch darunter, dass sie in ihrer Familie stets die Außenseiterin war und es keinem recht machen konnte. Gloria tut alles für jene Menschen die sie ins Herz geschlossen hat, ist eine loyale Freundin und gute Zuhörerin.


Und ausgerechnet zu Gloria flüchtet Ruth. In die alte Villa der Großeltern in Hamburg, die für Ruth immer mehr Zuhause war als jeder andere Ort auf der Welt. 



"Und heute würde ich ihnen allen zeigen, was aus ihrem kleinen Moppelchen geworden war. Ich hatte nichts zu verbergen. Ganz im Gegenteil. In meinem roten, engen Kleid war ich nicht nur auffällig, ich war eine wuchtige Provokation für alle Frauen, die an die Diktatur des Body-Mass-Index glauben, und ich war eine unübersehbare Warnung für alle Männer mit breitbeiniger Gesinnung, die denken, es läge in der Natur der Frau, ihnen gefallen zu wollen. Heute würde ich voraussichtlich niemandem gefallen. Außer mir selbst."

- Zitat Seite 116 -  



In der Hamburger Villa, in der Gloria mit ein paar "Gestrandeten" eine Art WG-Leben führt, werden für den Leser nach und nach die Puzzleteile von Ruths Lebens- und Ehedesaster zusammengesetzt: Ein manipulativer und dominanter Ehemann, davor ein ebensolcher Vater, viele Missverständnisse zwischen den Schwestern und natürlich langsam aufgedeckte Fremdgehereien des Angetrauten. Die Liste ist lang und Ruth würde sich am liebsten für den Rest ihres Lebens verkriechen.



"Mal ganz ehrlich: Wenn wir im Moment des Verliebens die Möglichkeit hätten, einen kurzen Blick in die Zukunft zu werfen und den Mann und unsere Beziehung zu ihm zwanzig Jahre später sehen könnten - wie viele Frauen würden noch vor dem ersten Kuss auf dem Absatz kehrtmachen und entschlossen das Weite suchen?"

- Zitat Seite 153 -  



Ildiko von Kürthy wäre jedoch nicht Ildiko von Kürthy, wenn sie nicht auch einige schräge Gestalten, skurrile Situationen und Dialoge voller Situationskomik eingebaut hätte. Fans der Autorin dürfte der Charakter Erdal Küppers aus dem vorangegangenen Roman "Es wird Zeit" noch gut in Erinnerung sein - umso erfreulicher, dass Erdal auch hier einen großen Auftritt hat. 


KÖNNTE DICH EBENFALLS INTERESSIEREN:

Meine Besprechung zu "Es wird Zeit"


Vor allem hält uns "Morgen kann kommen" aber einen Spiegel vor und macht uns bewusst, dass wir grundsätzlich viel zu viel auf die Meinung anderer Menschen geben und viel zu selten unsere eigene vertreten. Ich denke, jeder findet sich irgendwo in diesem Roman wieder und vermutlich wollte die Autorin auch genau das damit bezwecken: Seid euch einfach selber treu und tut euch gut! Tag für Tag!



"Ich bin so ein widerlich braves Mädchen. Ich weiß mich zu benehmen, ich bin nie auffällig, nie ausfällig. Ich habe die richtige Kleidergröße und halte mich am Buffet zurück. Ich habe meine Leidenschaft und mein Verlangen zurechtgestutzt wie die Hecken in den Vorgärten der besseren Gegenden. Ich habe mich passend gemacht und mich daran gewöhnt zu glauben, gut genug sei für mich gut genug. Und jetzt bin ich auf dem besten Wege dahin, mich widerspruchlos betrügen zu lassen. Nicht aus innerer Größe, sondern aus Angst. Lieber stumm bleiben. Bloß nicht schreien. Keine schlafenden Hunde wecken. Ein Leben auf Zehenspitzen."

- Zitat Seite 166/167 -  



MEIN FAZIT:

"Morgen kann kommen" ist ein kluges Buch. Eins, das dazu auffordert, das eigene Leben mal etwas kritischer zu betrachten, das zum Nachdenken bringt. Eins, das nachhallt, das traurig und fröhlich macht. Das zum Lachen bringt. Ein Buch, von dem man gar nicht will, dass es jemals endet.


5 von 5 Glitzersternen 




INFOS ZUM BUCH 

 

TITEL: Morgen kann kommen

AUTORIN: Ildiko von Kürthy 

VERLAG: Wunderlich (Rowohlt) 

 

ISBN: 978-3-8052-0093-6

ERSCHIENEN AM 12. April 2022

FORMAT: Hardcover

PREIS: 22,00 Euro

SEITEN: 368


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Thu, 28 Apr 2022 06:59:19 +0200
<![CDATA[12 von 12 im Februar 2022]]> https://www.glitzerdings.net/2022/02/12/12-von-12-im-februar-2022/ https://www.glitzerdings.net/2022/02/12/12-von-12-im-februar-2022/

Der ganz normale Alltagswahnsinn in 12 Bildern 


Geht das nur mir so, oder rast die Zeit wirklich wie nichts dahin? Gerade hatten wir doch noch Silvester - nun ist der zweite Monat des Jahres auch schon wieder zur Hälfte um....



1. Frühlingstag

Beim morgendlichen Blick aus dem Schlafzimmerfenster zeigt sich, dass das Wetter passend zum Wochenende geradezu frühlingshaft geworden ist. Heute ist Samstag und eigentlich hatten wir geplant, von Freitag bis Sonntag zu vercampen. Leider ist daraus nichts geworden, denn unsere Lima macht uns seit einiger Zeit erhebliche Sorgen. Nicht nur, dass sie eine große Baustelle am hinteren Rücken und an den Hinterbeinen hat, kämpfen wir nun auch schon seit zwei Wochen mit starkem Durchfall. Wir waren schon auf dem Weg der Besserung, als es wieder schlimmer wurde, waren mehrmals mit ihr beim Tierarzt, haben alles untersuchen lassen und nichts gefunden, waren wieder auf einem guten Weg.... bis heute Morgen alles wieder von vorne los ging. Diese ständigen Sorgen zermürben und rauben einem die Kraft und dementsprechend geht es uns auch gerade.



2. Leseflaute

Wenn man ständig in Sorge ist, ist es schwer, sich auf ein Buch zu konzentrieren. Das habe ich in diesem Monat leider am eigenen Leib erfahren müssen, denn bisher habe ich erst ein Buch mit knapp über 200 Seiten beendet. Aber immerhin gibt es zu Ungefähre Tage von Annika Domainko sogar schon eine Rezension und dazu eine Leseempfehlung von mir. Momentan habe ich sogar drei Bücher "in Arbeit", in denen ich immer mal wieder ein paar Seiten lese, wenn die Stimmung es gerade zulässt. Buddenbrooks fehlt auf dem Bild, Das Lied der Krähen lese ich im Rahmen der 12 Monate 12 Genre Challenge und bei Mein Kopf, ein Universum geht es ums Manifestieren und die Kraft der Anziehung. Ein Thema, das ich sehr interessant finde.

 

 

3. Gassigehen

Auch wenn Lima heute aufgrund ihres erneuten Durchfalls nicht die Fitteste ist, muss sie trotzdem etwas Bewegung haben. Also drehen wir eine kleine Runde in unserem Lieblingswald und natürlich wird bei diesem herrlichen Licht für ein Foto posiert. Der kleine Spike hat uns gesundheitstechnisch in den letzten Wochen mehr als positiv überrascht: Er ist am Montag 15 geworden und der Tierarzt konnte es selber kaum glauben, dass Spikes Blutwerte aus der Woche davor einfach perfekt waren. Da ist absolut gar nichts aus der Reihe getanzt und außer Blind- und Taubheit und neuerdings zu hohem Blutdruck (ernsthaft, ich dachte auch erst "Hähhh??!??") ist der Opi topfit und wird es hoffentlich auch noch lange bleiben.



4. Der leidige Einkauf

Zum Glück haben wir den Großteil des Einkaufs schon unter der Woche erledigt, nun brauchen wir nur etwas Brot und Joghurt und für Lima Hühnchen und Möhren. Trotzdem macht einkaufen keinen Spaß.



5. Outdoor Frühstück

Zugegeben ein sehr spätes und die Sonne schafft es auch noch nicht bis auf unsere Terrasse, aber immerhin an der frischen Luft. Das ist die Hauptsache.



6. Frische Tulpen

Ja, natürlich mussten die beim Einkauf auch mit. Ab Februar ist das eine wöchentliche Pflicht, um den Frühling einzuläuten.



7. Herrchen kocht

....und zwar eine morosche Karottensuppe für Lima. Ich kannte das vorher auch nicht, aber angeblich setzen die Möhrchen durch stundenlanges geköchelt werden irgendwelche Enzyme frei, die dem Hundemagen- und Darm anschließend helfen, wieder gesund zu werden. Sämtliche Tabletten haben bisher ja nicht allzu viel gebracht, daher versuchen wir es nun mit diesem Hausmittelchen.



8. Buchpost

Habe gar nicht mitbekommen, dass die Post da war, aber für mich liegt ein Rezensionsexemplar vor der Tür: "Schlafes Bruder" von Robert Schneider in der 30jährigen Jubiläumsausgabe. Ich kann mich noch erinnern, dass mich damals allein schon der Trailer des dazugehörigen Films ein wenig verstört hat, aber wie gesagt: Damals! Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gegangen und ich bin nun sehr gespannt auf das Buch.



9. Radtour

Die Hunde schlafen, das Süppchen köchelt vor sich hin und wir beschließen, das gute Wetter auszunutzen und die erste Radtour des Jahres zu unternehmen. Knapp 20 km später kommen wir ordentlich durchgepustet und gelüftet wieder zuhause an und sind froh, dass wir den Hintern hochbekommen haben. Ja, es war kalt und windig, aber die Sonne hat soooo gut getan.



10. Gassi, die Zweite

Kaum wieder zuhause, beschließen die Hunde, dass sie jetzt ausgeschlafen haben und nochmal los wollen. Und der Hundeherrschaften Wunsch ist uns natürlich Befehl. Also schlendern wir ein wenig durch die Felder und lassen die beiden ausgiebig schnuppern. Lima ist langsam unterwegs, aber sehr an Gerüchen und Mäuselöchern interessiert. 



11. Lesen, die Zweite

Nächster Versuch, etwas zu lesen, während der Göttergatte versucht, Lima zum Fressen zu überreden. Morosche Karottensuppe, zusammen mit Reis und Trockenfutter, speziell für Darmerkrankungen - bähhh! Mag sie nicht. Besorgniserregend ist allerdings, dass sie nun seit etwa 24 Stunden nichts gefressen hat, dass ihr Magen und Darm ganz sicher leer sind und dass sie eigentlich ziemlich viel Hunger haben müsste. Ach Mensch, man steht so hilflos daneben. Sie muss unbedingt etwas fressen, wir müssen aber auch hart bleiben und ihr nichts besseres anbieten. Ungeachtet der Tatsache, dass sie sowieso schon viel zu dünn ist. Das ist alles nicht so einfach....



12. Die letzte Amtshandlung

.....für heute. Wir haben halb 9 abends, Lima hat vor und nach dem letzten Gassi zum Glück zumindest den halben Napf geleert, ich bin hundemüde und völlig gerädert, werde jetzt noch diesen Blog hochladen und mich dann (eventuell mit einem ganz anderen Buch) in die Horizontale begeben. Falls es Euch übrigens aufgefallen ist, ich habe es noch nicht mal geschafft, das Kalenderblatt von heute abzureißen. Nicht mein Tag....

 

 

 

Mehr 12 von 12 gibt's wie immer bei Caro vom Blog Draußen nur Kännchen

 

 

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Sat, 12 Feb 2022 09:28:37 +0100
<![CDATA[Ungefähre Tage von Annika Domainko]]> https://www.glitzerdings.net/2022/02/09/ungef%C3%A4hre-tage-von-annika-domainko/ https://www.glitzerdings.net/2022/02/09/ungef%C3%A4hre-tage-von-annika-domainko/

Ein Roman, in dem die Grenzen zu verschwimmen scheinen. Ungewöhnlich und mit einer absoluten Sogwirkung. 

Rezensionsexemplar 

 

Erster Satz:

"Als ich erwachte, wusste ich nicht, wo ich war, der Boden vor dem Fenster lag in sattem Licht, ich selber tauchte ohne Zeitgefühl und Orientierung aus einem randlosen Zustand an die Oberfläche."



Zugegeben, Liebe auf den ersten Blick war es nicht bei mir und diesem Roman. Als ich zum ersten Mal mit dem Lesen anfing, war ich gestresst und hatte zwischen zwei Terminen kaum Zeit und noch weniger Konzentration. Ich wusste nichts mit dem Gelesenen anzufangen und legte das Buch nach zwanzig Seiten wieder weg.


....um es direkt am nächsten Tag, einem freien Tag, mit viel Zeit und Kaffe und Gemütlichkeit im Bett erneut zu lesen. Erneut von Anfang an. Ja, man muss sich auf dieses Buch einlassen können, Ruhe haben, über das Gelesene nachdenken können. Denn dann....dann entwickelt dieser Roman schon sehr schnell eine Sogwirkung, der man sich kaum noch entziehen kann.



"Es ist immer die gleiche Geschichte, in immer anderer Gestalt. Der Inhalt bleibt, die Form verändert sich, sagte sie.

Ach so. 

Ja, sagte sie, ein und dieselbe Geschichte, mal als Gedicht, mal als Drama. Gereimt. In verschiedenen Zeiten. In einer anderen Stimme."


- Zitat Seite 58 -




Eine geschlossene Psychiatrie, Grün, der Pfleger, der seit mehr als zwanzig Jahren hier arbeitet, eine junge Frau, deren Name dem Leser bis zum Schluss verwehrt bleibt. Das zaghafte Aufbauen einer Art Vertrauensbasis. Klare Momente. Kurz darauf wieder verschwimmende Grenzen. Die ganze Geschichte wabert teilweise wie im Nebel, nicht greifbar, wie ein gerade noch geträumter Traum, aus dem man urplötzlich aufwacht und einen Moment braucht, um in der Wirklichkeit anzukommen.


Dann die Fakten, die Erkenntnis, dass nicht nur die junge Frau, gefangen in Schuldgefühlen und dem Trieb zur Selbstzerstörung, Hilfe braucht, sondern auch Grün. Grün, dessen Eltern sein "Frauenberuf" nicht gut genug ist. Grün, der ein traumatisches Erlebnis hinter sich hat. Grün, der in seiner Ehe und Vaterrolle nichts weiter als ein Statist ist. Grün, der seine Tablettensucht verheimlicht. Und Grün, der langsam eine Grenze überschreitet. Grün, der seine Macht missbraucht. Grün, der trotzdem immer der Nette, der Vertraute ist. Und dahinter doch so anders. 



"Das sind meine Bilder, nicht deine, sagte ich, du bist hier, du warst nicht dabei. Hörst du? Kannst du mir deinen Namen sagen? Meinen? Wo du gerade bist?

Ihr Blick flackerte in meine Richtung, Grün, sagte sie heiser. Der Klang meines Namens hatte etwas Entwaffnendes und ich lockerte meinen Griff. Zuneigung schnürte mir den Hals zu."


- Zitat Seite 95 -



 

Ein Schreibstil, an den ich mich zunächst  annähern musste, da mir klare Grenzen und die direkte Rede in Anführungszeichen fehlte. Anfangs. Bald schon ist klar, dass es für diese Geschichte gar nicht anders geht. Dass dem Leser hier viel Spielraum gelassen wird, um Geschriebenes und Gesagtes richtig packen zu können.

 

Und dennoch entgleitet die Handlung ein uns andere Mal in überraschende Richtungen, die Autorin packt Stückchen für Stückchen Grüns Geschichte aus. Grün, den man anfangs so sympathisch fand und hinter dessen Handeln sich Abgründe auftun. 

 

Obwohl der ganze Roman wie verschwommen erscheint, ist am Ende alles klar. Alles gesagt, obwohl es nicht geschrieben wurde.

 

MEIN FAZIT: Ein außergewöhnliches Debüt einer Autorin, deren Namen man sich merken sollte. Ein Roman, der eine regelrechte Sogwirkung entfaltet. 4 von 5 Glitzersternen

 

 

 


INFOS ZUM BUCH

 

AUTORIN: Annika Domainko

TITEL: Ungefähre Tage

VERLAG: C.H. Beck

 

ERSCHIENEN AM 26. Januar 2022

ISBN: 978-3-40678-155-1

FORMAT: Gebunden

SEITEN: 222

PREIS: 23,00 Euro

 


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Wed, 09 Feb 2022 13:09:00 +0100