Burgruine Liebenstein

Wenn man im Winter durch Thüringen fährt, hat es einen nicht von der Hand zu weisenden Vorteil, dass die Bäume zu dieser Jahreszeit kahl sind. Warum? - Nun, man sieht einfach mehr! Zum Beispiel Burgen und Burgruinen weit entfernt auf Bergen und Hügeln, die im Sommer vermutlich hinter Bäumen und Laub verschwinden würden.

 

Die Burgruine Liebenstein haben wir in unserem Silvesterurlaub 2016/17 mehrmals im Vorbeifahren vom Auto aus bewundert und natürlich schlussendlich auch besichtigt. Strategisch günstig auf einer Anhöhe oberhalb des Örtchens Liebenstein im Ilm-Kreis gelegen, ist diese Ruine nicht zu verwechseln mit ihrer Namensvetterin im ebenfalls in Thüringen gelegenen Bad Liebenstein.

Beim ersten Anblick der Burg ging mir spontan durch den Kopf, dass diese Bauform recht einfallslos ist und wohl dem entspricht, was ein Kind zu Papier bringen würde, wenn man ihm auftrüge, eine Burg zu malen. Weitere Recherchen sollten mich jedoch eines Besseren belehren: Zum einen gab es ursprünglich natürlich noch mehrere Gebäude, die direkt an die Burg gebaut waren. Zum anderen konnte man die Burg nur von einer Seite aus angreifen (im Foto oben von rechts) - und hier stand dieser mächtige Turm im Weg. Man hatte sich also durchaus etwas gedacht bei dieser schlichten aber sinnvollen Bauweise.

Wie man auf der Schautafel erkennen kann, handelte es sich hier einst um eine beeindruckende Anlage. Eine Anlage, die selbstverständlich auch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann:

 

1271 wurde die Burg zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war nach dem Wappentier der Lehensherren - derer zu Schwarzburg-Käfernburg - zunächst als Burg Löwenstein bekannt.

1367 wurde die Anlage an die Wettiner verkauft.

1434 gab es wieder neue Lehensherren: Die Herren von Witzleben hauchten der Burg neues Leben ein, indem sie mit regen Bautätigkeiten starteten.

1566 wurde die Burg zum Schloss ausgebaut. Eine Inschrift am südlichen Vorhangbogenfenster zeugt davon.

17. Jh. - Immer noch ist das Geschlecht derer zu Witzleben Lehensherr der Burg, die den Herrschaften mittlerweile als Wohnsitz dient.

vor 1867 - Die Herren von Witzleben haben die Burg verlassen und diese wird nun als Amt und Gefängnis genutzt.

1867 werden die Gebäude auf Abbruch verkauft.

um 1900 starten erste Erhaltungsmaßnahmen, um die Burg auch den nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.

1996 wird die Anlage an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übertragen.

Eine Zeit lang diente die Anlage den Dorfbewohnern als Steinbruch, daher ist von den Nebengebäuden heute kaum noch etwas zu sehen. Sehr beeindruckend ist allerdings der Hauptteil der Burg, von dem noch sämtliche Außenmauern erhalten sind. Extrem dicke Außenmauern,teilweise bis zu vier Meter, zwischen denen man sich sehr klein vorkommt.

Auf dem Foto kann man noch sehr gut erkennen, wo einst die Böden der einzelnen Etagen waren und so bekommt man eine ungefähre Vorstellung von der Größe der Anlage.

Der mächtige Turm überragt jedoch alles und es erscheint mehr als logisch, dass dieses "Hindernis" sämtliche Angriffe auf die Burg abgefangen hat.

Leider ist der Turm nicht begehbar. Er verfügt nur über einen kleinen Wartungsschacht, der allerdings für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Als wir am Silvestervormittag dort waren, wurde gerade für eine Feier aufgebaut und man liess uns freundlicherweise einen Blick in den Turm werfen. Ich durfte also kurz Burgfräulein spielen und bekam eine Ahnung vom Leben zwischen diesen mächtigen Mauern, denn hier im dunklen Turm erschien mir die heutige Zeit plötzlich weit weit weg.

Die Burgruine Liebenstein ist das ganze Jahr über frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Hunde sind erlaubt.

Wenn Ihr also mal in der Gegend seid, würde ich Euch einen Besuch der Ruine sehr empfehlen.

 

 

 

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