Lost Place Luxemburg: Die verlassene Mühle - Was geschah mit Familie G.?


Wenn man in diesen kleinen Ort in Luxemburg hineinfährt, ist es, als würden die Uhren stehen bleiben. Man kommt sich ein wenig vor wie in einer Luftblase, denn hier ist nichts. Kein Mensch auf der Straße, keine Bewegung hinter den Gardinen, keine spielenden Kinder in den Gärten, keine Katze, die die Straße überquert - nichts. Selbst die Luft scheint zu stehen, die Vögel zwitschern nicht und man hört keinen Motorenlärm. Und bevor man dazu kommt, sich darüber zu wundern, hat man den Ort auch schon wieder hinter sich gelassen. Es ist, als wäre man kurz aus der Zeit gefallen und man fragt sich verwundert, ob man sich das jetzt gerade alles nur eingebildet hat?

 

Die außergewöhnliche Atmosphäre des Ortes ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was einen in der verlassenen Mühle der Familie G. erwartet. Geht man hier über die Türschwelle, wird man in eine andere Zeitebene katapultiert. In eine Zeit, in der es weder Handys noch Internet noch Fernsehen gab. Ein altes Transistorradio ist das Herzstück des Wohnzimmers und die komplette Familie versammelte sich vermutlich dort am Abend, nachdem sie auf den dunklen, schweren Holzmöbeln im Esszimmer Platz genommen und zu Abend gegessen hatte. 

 

 

 

Traditionell und religiös scheint Familie G. gewesen zu sein, denn hier begegnen einem in jedem Zimmer, an jeder Wand Zeugnisse ihrer Geschichte. Zeugnisse eines arbeitsamen und gläubigen Lebens, Zeugnisse einer Geschichte, die leider mit den Bewohnern verschwunden ist.

 

Viel bekannt ist nicht über die Familie, die ihre recht große Mühle am Ende einer Sackgasse baute. Einst war hier Leben, wovon ein uralter Kinderwagen und Plüschtiere zeugen. Man interessierte sich für das Weltgeschehen und für Literatur, was man auch heute noch anhand vieler alter Zeitungen und Bücher sehen kann. Und man legte Wert auf Qualität. Wenn man sich die Möbel genauer ansieht, die sicherlich aus dem ausgehenden 19ten Jahrhundert stammen, ist man überrascht, wie gut diese erhalten sind. Massiv und größtenteils intakt - und das nach geschätzten 50 Jahren Leerstand in der Mühle.

 

 

Geht man nun die ebenfalls völlig intakte massive Holztreppe hoch in den ersten Stock, kommt man zum Herzstück des Hauses: dem Elternschlafzimmer. Anders als in den heutigen Wohnungen und Häusern war dieser Raum wohl wirklich nur zum Schlafen gedacht, wirkt aber trotz seiner Kargheit erstaunlich behaglich und fast schon lebendig, wenn die Sonne auf die Steppdecke scheint und die Gardinen vor den Fenstern sich leicht bewegen.

 

Angeblich soll der alte Herr G. der letzte Bewohner dieses Hauses gewesen sein. Als er starb, fand sich kein Käufer, was das Schicksal des Wohnhauses und der angrenzenden Gebäude und Remisen besiegelte. Wenn man nichts von dem Haus weiß, findet man es auch nicht, denn die Natur hat sich längst zurückgeholt, was einst ihr Platz war. Die Gebäude sind völlig eingewachsen, was ihnen eine mystische und leicht gruselige Atmosphäre gibt.

 

Im Netz kursieren Gerüchte über dieses Haus, in dem in einer Weihnachtsnacht in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts angeblich ein Doppelmord verübt wurde. Der Sohn des Hauses soll seine Eltern erschlagen haben - Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Und doch sollte man nie vergessen, dass an jedem Gerücht immer auch ein Körnchen Wahrheit ist....

 

 

Betritt man die Remise des Hauses, traut man zunächst seinen Augen nicht .... und macht schon wieder einen Zeitsprung. Diesmal katapultiert es uns geschätzt in die 50er oder 60er Jahre, als Fahrzeuge wie diese Vauxhalls auf den Straßen fuhren. Gleich vier Stück davon gibt es hier, was die Vermutung nahelegt, dass in dieser Familie Geld vorhanden war. Leider waren hier Vandalen am Werk - die Autoscheiben sind eingeschlagen und die Wagen selber weitgehend ausgeschlachtet. Und trotzdem versprühen sie immer noch den Charme vergangener Zeiten. Zeiten, in denen Leben und Lachen auf diesem Anwesen waren. 

 

Anders als bei den meisten Lost Places in Deutschland war es hier nicht leicht, die Adresse ausfindig zu machen. Das Ergebnis: Kein Graffiti an den Wänden und sämtliche Spiegel (!!!) und viele Scheiben im Haus sind noch völlig intakt. In Deutschland ist sowas leider ein Ding der Unmöglichkeit, weshalb ich nun in Luxemburg gemerkt habe, was für ein komplett anderes Gefühl einem dieser Lost Place, dieses grandiose Stückchen Zeitgeschichte vermittelt.

 

Damit die Mühle der Familie G. weiter ihren Dornröschenschlaf halten kann, bitte ich Euch, davon abzusehen, mich nach der genauen Adresse zu fragen. Diese werde ich nicht weitergeben und mich damit an den Ehrenkodex der Urbexer halten.

 

 

 

 

 

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