Lost Place Korsika: Das verlassene Dorf Occi

Auf Korsika hat man häufig das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist, denn diese wunderschöne Insel hat sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt und ist sogar in manchen Landstrichen fast unbewohnt. Die Bergdörfer sehen so aus, wie sie vermutlich schon vor 100 Jahren aussahen (nur mit dem Unterschied, dass heute vor jedem dritten Haus ein Landrover Defender steht), viele Straßen sind nur mit Geländewagen zu befahren (daher auch die Defender-Dichte) und die berühmte Maccia, jene Flora, an deren unverwechselbaren Duft Napoleon einst seine Heimat angeblich auch mit verbundenen Augen erkannte, ist allgegenwärtig. Auf Korsika gibt es zum Glück keine Hotelresorts, Bettenburgen oder Hochhäuser aus Stahl und Glas, die das Gesamtbild der Städte, die allesamt auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken, zerstören würden. Denn Korsika ist das reinste unverbaute Paradies für jeden Naturliebhaber.

 


Auf Korsika gibt es jedoch auch gerade in den abgelegenen Dörfern keine Perspektive, keine berufliche Zukunft für die Jugend. Die unvermeidbare Folge davon ist, dass diese Örtchen verlassen werden, die Alteingesessenen nach und nach sterben und somit Geisterdörfer entstehen.

Occi ist eines dieser Geisterdörfer. Hoch über dem hübschen Städtchen Lumio gelegen und mit einem traumhaften Blick über den Golf von Calvi ist Occi schwer zu erreichen. Vom Parkplatz des Restaurants "Chez Charles" in Lumio führt ein Weg hoch, der jedoch nur auf den ersten Metern befestigt ist. Gegenüber des Campingplatzes "Le Panoramique" liegt etwas versteckt ein steiniger Trampelpfad, der ebenfalls nach Occi führt. Festes Schuhwerk ist hier unbedingt vonnöten und man muss mit einem Aufstieg von etwa einer Stunde rechnen. (Vermutlich geht es auch etwas schneller.....wenn man keine Hunde dabei hat, die sich permanent von den überall herumflitzenden Echsen ablenken lassen...).

Belohnt wird man jedoch die ganze Zeit über mit einem spektakulären Panoramablick und - wenn man oben angelangt ist - mit einem sehr interessanten Ziel:
Die Dächer der etwa 20 Häuser von Occi sind im Laufe der Zeit eingestürzt, die Mauern verfallen. Das Dorf wurde vermutlich im 12. Jahrhundert von ein paar Bauern gegründet, die ersten bekannten schriftlichen Zeugnisse stammen jedoch erst aus dem Jahr 1589. Zu dieser Zeit hatte Occi etwa 150 Einwohner, die von Ackerbau und Viehzucht lebten.
Irgendwann im letzten Jahrhundert war jedoch der Zeitpunkt gekommen, an dem die Menschen und vor allem die Jugend nach mehr strebten. Abgeschnitten vom Rest der Zivilisation und noch dazu schwer zu erreichen hoch oben auf dem Berg, hatte man keine anderen Möglichkeiten, als Bauer zu werden. Die Jüngeren wollten sich damit allerdings nicht zufrieden geben .... und verliessen nach und nach Occi.
Als der letzte Bewohner Felix Giudicelli, der auch als der "Einsiedler" bekannt war, 1918 starb, war Occis Schicksal besiegelt. Das Dorf verfiel und wurde zum Lost Place.

Doch Halt! Occi ist zwar fast komplett verfallen, vergessen wurde es jedoch nicht. Die Kirche Annunziata wurde nicht sich selbst überlassen, sondern durch den Förderverein "Occi Paese Rinascitu" und durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Supermodels Laetitia Casta, deren Vater aus Lumio stammt, vor dem Verfall bewahrt. Und so werden von Zeit zu Zeit in Occi noch Messen gefeiert und einmal im Jahr wird eine Statue des Schutzpatrons des Dorfes durch die einst belebten Gassen getragen.

Das, was von Occis Häusern noch übrig ist, sollte man nicht betreten, da hier alles stark einsturzgefährdet ist. Es ist jedoch ein Vergnügen, durch die alten, engen Gassen vorbei an den Viehtränken und unter den vielen Feigenbäumen hindurch bis zum Marktplatz zu schlendern, sich dort auf die Reste der Mauer zu setzen und die Aussicht auf's Meer zu geniessen. Dieser Ort hat trotz oder gerade wegen seines Verfalls eine sowohl romantische als auch mystische Ausstrahlung und ist auf jeden Fall die Strapazen des Bergsteigens wert.


....und P.S.: Einen Blick in die Häuser kann man trotzdem riskieren, denn die haben meistens nur einen Raum und sind sehr überschaubar.

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