Galgo Espanol - Spaniens vergessene Hunde

Wie kommt es, dass zeitgleich in Berlin, Hamburg, Köln, Zürich und Saarbrücken tausende schlanke und langbeinige Hunde mit ihren Besitzern in einem friedlichen Protestmarsch durch die Straßen ziehen? - Das haben sich wohl so einige Passanten gefragt, als eine nicht enden wollende Gruppe aus Menschen und Hunden am Samstag an ihnen vorbei lief. Die Hunde, die gegen die Kälte in teils sehr stylische Mäntelchen gekleidet waren, zauberten den Leuten ein Lächeln ins Gesicht und etliche blieben am Straßenrand stehen, um diesen doch recht ungewöhnlichen Umzug zu filmen oder zu fotografieren. Wenn sie jedoch die Texte auf den Plakaten lasen, verschwand das Lächeln. Etwa 50.000 brutal getötete Hunde jährlich? Ausgeschlossen vom Tierschutzgesetz? Als seelenloser Gegenstand deklariert? Und das in einem Land der EU? Das kann doch nicht sein, oder? Oder!?!?



Leider doch. Leider ist das die bittere Wahrheit. Der Galgo Espanol ist die durch den Menschen am meisten ausgebeutete und misshandelte Hunderasse weltweit und steht daher stellvertretend für sämtliche Jagdhunde Spaniens, die in diesem Land verloren und vergessen sind. Als einziges Land in der EU ist dort die Hetzjagd mit Hunden noch erlaubt und diese hat eine lange Tradition: War es früher nur den Adligen erlaubt, diese elegante Hunderasse zu halten, die es seit Hunderten von Jahren in dieser Form gibt, hielten nach und nach immer mehr "einfache Leute" ebenfalls Galgos. Diese Galgos wurden allerdings noch wertgeschätzt, da sie zur Nahrungsbeschaffung beitrugen. Galgos sind unheimlich schnelle und wendige Jäger, können als Kurzstreckensprinter 70 Stundenkilometer erreichen und Haken schlagen wie ein Hase. Dass sie dadurch sehr erfolgreiche Jäger sind, dürfte also klar sein.


In der heutigen Zeit beschafft man sich sein Fleisch dann allerdings doch lieber im Supermarkt und braucht dafür keine Galgos mehr. Da die Hetzjagd auf Hasen aber nunmal eine lange Tradition hat, führt man sie trotzdem fort. Und nun geht es um Ruhm und Ehre. Und natürlich um Geld. Und genau da beginnt das unglaubliche Leid der Galgos.



Die Galgueros, wie die spanischen Jäger genannt werden, halten oft zwanzig bis dreißig Hunde im Zwinger und vermehren diese ohne Sinn und Verstand, immer in der Hoffnung, den einen Hund zu kriegen, der, der den größten Wettbewerb, der im Namen des spanischen Königs ausgetragen wird, gewinnt.


Die Galgos werden meistens schlecht gehalten, fristen ihr Dasein in dunklen Verschlägen und kommen nur zum Training raus. Bei diesem "Training" würden deutsche Ämter sofort Alarm schlagen und der Besitzer der Hunde sich vor Gericht wiederfinden, in Spanien juckt es jedoch keinen, dass zehn oder mehr Galgos hinter ein Motorrad oder Auto gebunden werden und mitrennen müssen. Stürzen sie oder schaffen es kräftemäßig nicht, werden sie mitgeschleift und irgendwann am Straßenrand zum Sterben liegen gelassen. Den Galgueros interessiert das nicht weiter, der hat ja noch etliche andere Hunde. 



Schlecht trainiert und schlecht gefüttert müssen die Galgos dann also bei diversen Wettkämpfen während der Jagdsaison von Oktober bis Februar antreten. Und da beginnt das Aussortieren. Ist ein Galgo zu langsam, wird er aussortiert. Ist er zu zögerlich, wird er aussortiert. Ist er zu schlau, wird er aussortiert. Ist er zu alt, was meistens mit drei Jahren der Fall ist, wird er aussortiert. Schneidet er dem Hasen den Weg ab, gilt er als "dreckig" und hat seinen letzten Wettkampf bestritten. Die Spanier wollen eine saubere Hatz, in der der Hund dem Hasen in der genauen Laufspur des Hasen folgt. Ein "dreckiger" Galgo bringt seinem Herrn große Schande.



Wohin nun aber mit den ganzen aussortieren Hunden? - Die, die großes Glück haben, landen in Tötungsstationen und werden dort vom Tierschutz freigekauft, so wie unsere Lima damals. Etwa 50.000 Galgos pro Jahr werden jedoch auf brutale Art und Weise getötet und die kranke Fantasie der Galgueros kennt dabei offenbar keine Grenzen. Ob nun mit gebrochenen Beinen im Niemandsland ausgesetzt, irgendwo zum Verhungern festgebunden, in Brunnenschächte geworfen, erschlagen, erschossen, mit Säure übergossen, ertränkt.....es gibt nichts, was es nicht gibt. Ganz schlimm trifft es die sogenannten "Klavierspieler", jene Galgos, die ihrem Herrn Schande bereitet haben und zur Strafe an einem Baum aufgehängt werden. Jedoch nur so hoch, dass die Hinterpfoten so eben noch den Boden berühren und der Hund beginnt, verzweifelt hin und her zu tänzeln wie die Hände eines Klavierspielers auf der Tastatur. Ein Todeskampf, der Stunden dauern kann und an Grausamkeit nicht zu überbieten ist.



Im Jahr 2022 wurde in Spanien ein neues Tierschutzgesetz auf den Weg gebracht, das Haustiere endlich als fühlende Wesen anerkennt und unter Schutz stellt. Leider wurde Ende des Jahres einem Antrag stattgegeben, Jagd- und Gebrauchshunde von diesem Gesetz auszuschließen. Das heißt im Klartext: Ein Hund, der im Haus lebt und als Familienmitglied angesehen wird, ist vor dem Gesetz ein Wesen mit Seele und somit geschützt. Ein Hund, der sein Dasein im Zwinger fristet und zur Jagd eingesetzt wird, ist vor dem Gesetz ein seelenloser Gebrauchsgegenstand und wird somit nicht geschützt.



Heute, am 01. Februar ist World Galgo Day, denn heute endet in Spanien die Jagdsaison. Die meisten Galgos sind nun bis Oktober unnütze Fresser und werden entsorgt. Die Tierheime platzen aus allen Nähten, die Tierschutzorganisationen kämpfen gegen Windmühlen und lassen doch keinen Hund im Stich, den sie früh genug finden und von der Straße holen oder anderweitig befreien können. Meine absolute Hochachtung für diese Menschen!


Eine gute Nachricht ist, dass in Spanien bei den jüngeren Generationen ein Umdenken stattfindet, dass es auch in Spanien selber am Wochenende etliche Protestmärsche gab, dass Tierschutzorganisationen mit den Galgos mittlerweile in Schulen gehen, um die Kinder für dieses Thema zu sensibilisieren. 


Galgos sind unglaublich sensible, höfliche und unaufdringliche Hunde. Sie binden sich sehr an ihre Menschen und begleiten diese begeistert überall hin. Man sagt immer, dass sie die Katzen unter den Hunden sind, denn im Haus bemerkt man sie gar nicht. Gib einem Galgo ein warmes und weiches Plätzchen auf der Couch und er ist glücklich. Sie haaren kaum und stinken nicht, da sie keine Unterwolle haben. Dadurch müssen sie im Winter allerdings einen Mantel tragen, denn natürlich frieren sie sonst. Galgos halten Bellen für die reinste Energieverschwendung und eignen sich absolut nicht als Wachhunde. Sie sind friedfertig und gehen jedem Ärger aus dem Weg, weshalb es bei Galgomärschen auch nie Rangeleien zwischen den Hunden gibt. Oder, wie ein begleitender Polizist anmerkte "Ach, wenn doch nur alle Demonstranten so gute Manieren hätten!". 


Natürlich darf man aber nicht vergessen, dass diese Hunde die Möglichkeit haben müssen, zwischendurch richtig rennen zu können und dass sie unter Umständen einen so ausgeprägten Hetztrieb haben, dass man sie niemals ableinen können wird. 


Viele der Galgos haben Schlimmes erlebt und sind traumatisiert. Hier ist Geduld gefragt. Geduld und viel Liebe und Verständnis und irgendwann wird der Hund sich öffnen. 





Unsere Lima war unser erster Galgo und hat uns für das Wesen dieser Rasse begeistert. Wir hatten achteinhalb wunderschöne Jahre mit ihr und es war klar, dass wir irgendwann wieder einen Galgo aus dem Tierschutz adoptieren würden. Im August zog Kingston bei uns ein, den Ihr auf dem Titelbild seht. Ein Galgo zum Verlieben.


Wenn Ihr also mit dem Gedanken spielt, einem Hund ein Zuhause zu geben, warum nicht mal über einen Galgo nachdenken?





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