Schweden - Wildcamping mit Überraschungen

In ganz Skandinavien gilt das Jedermannsrecht, das bedeutet, dass man unter bestimmten Voraussetzungen frei in der Natur campen darf. Diese Voraussetzungen sollten eigentlich selbstverständlich sein, denn sie besagen, dass man niemanden stören darf, seinen Müll mitnimmt, nichts zerstört und alles so belässt, wie man es vorgefunden hat. Mit Zelt ist man als Camper in Skandinavien also äußerst flexibel, aber auch mit einem kleinen Wohnmobil oder Wohnwagen (wie in unserem Fall) tun sich da Möglichkeiten auf. Man kann zum Beispiel auf Waldparkplätzen oder am Strand übernachten, sofern es nicht ausdrückliche Verbotsschilder gibt.

 

Im Sommer 2016 auf unserem Roadtrip durch Südschweden haben wir von dem Jedermannsrecht ab und zu Gebrauch gemacht, denn auch wenn wir den Luxus eines anständigen Campingplatzes zu schätzen wissen (...und hierbei steht Schweden auf den ersten Plätzen in Europa!), ist Wildcamping eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Denn mal ernsthaft: Was gibt es Schöneres, als morgens nach dem Aufwachen aus dem Fenster direkt aufs Meer zu gucken? Ich kann Euch versichern, dass es herrlich ist!

Unsere erste Nacht in Schweden verbrachten wir also irgendwo zwischen Trelleborg und Ystad, direkt am Strand der Ostsee und etwas abseits der Straße, versteckt hinter Bunkerruinen aus dem zweiten Weltkrieg.

 

Es ist immer gut, sich seinen Übernachtungsplatz bei Tageslicht zu suchen, außerdem trinken wir beim Wildcampen grundsätzlich keinen Alkohol. Denn man weiss nie, ob sich nicht doch mal jemand auf den Schlips getreten fühlt und man das Feld räumen muss. Die Promillegrenze liegt in Schweden bei 0,2 - deshalb lassen wir das in diesem Fall mit dem Alkohol lieber ganz bleiben.

 

An diesem herrlichen Platz blieben wir nicht lange allein, denn auch einem Paar aus Kiel schien der Feldweg, der zum Strand führte, äußerst verlockend und so gesellten sie sich mit ihrem Expeditionsmobil kurzerhand zu uns. Tja, und Camper untereinander.....da werden natürlich erstmal einige Urlaubsanekdoten ausgetauscht. Immer wieder interessant, sowas.

Ein weiterer unschlagbarer Vorteil beim Campen in der Wildnis: Man kann morgens im Schlafanzug die erste Runde mit den Hunden gehen und keiner hält einen für geistesgestört. Weil nämlich sonst keiner da ist.

 

...und weil`s so schön war, haben wir uns gleich für die nächste Nacht wieder einen Platz zum Wildcampen gesucht. Dieser hatte allerdings einen kleinen und mehrere große Haken: Im Nationalpark am Hammarsjön See ist Campen verboten. Der Parkplatz, auf dem wir gut abgeschirmt und richtig schön im Grünen standen, ist jedoch genau auf der Grenze des Nationalparks. Also haben wir es drauf ankommen lassen.

 

Der Tisch war gerade gedeckt und das Essen fast fertig, als ein Nationalpark-Ranger auf einem Quad angebraust kam. "Na super!", dachten wir....

Der Ranger grüßte jedoch nur höflich, machte das Gatter zu einer großen Weide, die zum Park gehört und direkt an den Parkplatz grenzt, auf und fuhr dann kreuz und quer über selbige. Soviel zum "Schutz der Natur" also.

Kurz darauf tauchte er wieder auf und zog eine verendete Kuh hinter dem Quad her. Die übrige Kuhherde und auch wir schauten ihm traurig hinterher, denn sowas mag man ja im Urlaub (und auch sonst) nicht sehen. Ein paar Minuten später fuhr er dann ohne Kuh nur mit Quad wieder zurück in Richtung Hauptstraße. Wo er die Kuh gelassen hat, wissen wir bis heute nicht, da es auf der Weide, die man von einem Aussichtsturm aus überblicken kann, außer einem Tümpel keine Versteckmöglichkeit gibt. Der wird doch wohl nicht...?1?

Nach der Kuhgeschichte gingen wir davon aus, nun eine ruhige Nacht zu haben - von wegen! Neben diversen Joggern und Spaziergängern kamen auch etliche Autos angefahren und mindestens einem Paar, das (ganz unauffällig) getrennt vorfuhr und bei unserem Anblick direkt den Rückwärtsgang einlegte, haben wir das Schäferstündchen versaut.

 

Frühmorgens um 6.00 h war dann die Nacht vorbei, denn eine bekloppte Elster fand es unheimlich spannend, nonstop ihren Schnabel auf den Blechnapf unserer Windhündin zu schlagen....

War aber dann auch egal, denn eine halbe Stunde später rückten schon wieder drei Ranger an und veranstalteten mit ihren Quads und Bullis einen Heidenlärm. Immerhin haben sich die Herren aber dafür entschuldigt, uns gestört zu haben.

Echt mal.....da hat man auf jedem Campingplatz mehr Ruhe!

 

Nach diversen Übernachtungen auf wirklich sehr tollen Campingplätzen, haben wir dann gegen Ende des Urlaubs noch eine ganz spontane Wildübernachtung eingelegt: Wir fuhren gerade durch das bildhübsche Örtchen Gränna am Ufer des Vätternsees und sahen oben auf einem Berg eine ziemlich beeindruckende Ruine. Das Brahehus.

Der Weg dorthin erwies sich als ziemlich verzwickt und endlich angekommen waren wir ein wenig enttäuscht, nicht direkt an diese Ruine, die einst ein Gästehaus der High Society war, heranzukommen, sondern auf einem Rastplatz stehen zu müssen. Aber wo wir schon mal dort waren....

 

Direkt ans Brahehus kommt man nur zufuß und zum Glück waren wir am nächsten Morgen als erste vor Ort, denn eine halbe Stunde später setzte einer meiner Urlaubsalpträume ein: Horden von Touristen, busladungsweise und mit jeweils mindestens zwei Kameras behangen fielen über die Ruine her, so dass ein Foto, auf dem nur das Brahehus zu sehen wäre, nicht mehr möglich war. Wenn ich eins hasse, dann sind das Menschenmassen. Und Touristen, die ständig meinen, gaaaanz unauffällig und aus der Hüfte heraus unsere Hunde fotografieren zu müssen.

 

Wie sind Eure Erfahrungen beim Wildcampen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

 

 

 

0 Kommentare

Könnte Dich auch interessieren:

Campingplätze 2016: Meine persönlichen Top 3.....und der größte Flop

mehr lesen 4 Kommentare

Öland - Eine kleine Insel voller Geschichte

mehr lesen 2 Kommentare